Bezirksgericht Zürich

12 Jahre Haft und Verwahrung für Schützen vom Niederdorf

Das Zürcher Bezirksgericht hat Neonazi Sebastien N. zu einer 12-jährigen Haftstrafe und Verwahrung verurteilt. N. hatte im Mai 2012 im Zürcher Niederdorf einen Bekannten aus nächster Nähe niedergeschossen.

Ein 27-jähriger Neonazi, der vor zwei Jahren im Zürcher Niederdorf einen Mann angeschossen hat, ist am Mittwoch vom Bezirksgericht Zürich zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem ordnete das Gericht eine Verwahrung und eine ambulante Behandlung an.

Im Mai 2012 hatte der Beschuldigte während eines Streits einem 26-jährigen Gesinnungsgenossen aus nächster Nähe in die Brust geschossen. Kurz darauf gab er auf das flüchtende Opfer einen zweiten Schuss ab, verfehlte aber das Ziel.

Nach der Tat flüchtete der Neonazi nach Deutschland, wo er zwei Tage später verhaftet wurde. Das Opfer überlebte den Lungendurchschuss dank einer Notoperation.

Der mit Tätowierungen übersäte Beschuldigte machte vor dem Bezirksgericht Notwehr geltend. Er sei von seinem Kontrahenten mit einer Bierflasche beworfen und attackiert worden. Deshalb habe er in Panik zur Pistole gegriffen und abgedrückt, sagte er.

Der zweite Schuss sei aus Versehen erfolgt. "Ich kannte meinen Gegner zu gut und wusste, zu was er fähig ist", rechtfertigte der Beschuldigte seine Tat.

Gegen den Beschuldigten sprach allerdings eine SMS, die er kurz nach der Tat einem Bekannten geschrieben hatte: "Verrat isch nöd verzeihbar, das isch für das", lautete die Botschaft.

Anklage forderte hohe Strafe

Die Staatsanwältin wertete die Tat als versuchte vorsätzliche Tötung. Der Beschuldigte habe gezielt und bewusst geschossen. Sie forderte eine Strafe von 15 Jahren und anschliessende Verwahrung.

Die Anklägerin stützte sich dabei auf ein psychiatrisches Gutachten ab. Dieses ging von einer überdurchschnittlich hohen Rückfallgefahr des in der Persönlichkeit gestörten Täters aus.

Der Anwalt des Beschuldigten verlangte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung sowie eine ambulante Therapie. Sein Mandant habe in einem Notwehrexzess gehandelt, sagte der Verteidiger.

Dem Opfer keine Chance gelassen

Das Gericht folgte jedoch weitgehend der Anklage. Es sprach den Beschuldigten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung schuldig. Der Gerichtsvorsitzende sprach von einer verwerflichen Tat. Der Beschuldigte habe sofort geschossen und dem Opfer keine Chance gegeben.

Die geltend gemachte Notwehr liess das Gericht nicht gelten. Selbstschutz, Angst und Panik könnten als als Motiv ausgeschlossen werden. Der Gerichtsvorsitzende berief sich dabei auf Zeugenaussagen, die keinerlei Angriffsaktivitäten des Opfers beobachtet hatten.

Der Verurteilte ist kein unbeschriebenes Blatt. 2011 hatte ihn das Solothurner Obergericht zu 39 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ihm wurden insgesamt 44 Delikte nachgewiesen, darunter Rassendiskriminierung, Drohung, Gewalt gegen Beamte, Tätlichkeit und Raufhandel.

Urteil gegen Neonazi Sebastien N.

Urteil gegen Neonazi Sebastien N.

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