Alters- und Pflegeheime haben ausgedient

Die neue Altersstrategie 2035 der Stadt Zürich sieht weniger Pflegeplätze, aber mehr Alterswohnungen vor.

Katrin Oller
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Altersheime in der herkömmlichen Form will die Stadt Zürich keine mehr. Ziel sind im Quartier verankerte ­Gesundheitszentren.

Altersheime in der herkömmlichen Form will die Stadt Zürich keine mehr. Ziel sind im Quartier verankerte ­Gesundheitszentren.

Bild: Keystone

Wer werden die alten Menschen sein, die 2035 in Zürich wohnen und was brauchen respektive wollen sie? Diese Fragen stellte sich der Zürcher GLP-Stadtrat und Gesundheitsvorsteher ­Andreas Hauri gleich zu Beginn seiner Amtszeit vor zwei Jahren. Mehrere Neu­bauprojekte für Alterszentren in der Stadt wurden gestoppt und für eine gross angelegte Analyse zurückgestellt. Das ­Resultat liegt nun vor: die Altersstrategie 2035.

Warum braucht die Stadt Zürich eine neue Altersstrategie?

Im Jahr 2035 leben voraus­sichtlich 24000 Über-Achtzig­jährige in der Stadt Zürich. Das ist ein Fünftel mehr als heute. Hauri spricht von den «neuen Alten, die anders sind als ihre Eltern und Grosseltern». Es wird eine sehr gemischte Gruppe sein von Leuten, die Snowboard gefahren sind, zu Techno getanzt haben und mit der Digitalisierung vertraut sind. Deshalb muss sich auch das Angebot in der Stadt Zürich individualisieren, sagte Hauri am Dienstag vor den Medien.

Wie ist die neue Altersstrategie ­entstanden?

Das Gesundheitsdepartement hat im Januar 2019 einen breit abgestützten Mitwir­kungsprozess lanciert. Über 120 öffentliche Stellen, Or­ganisationen und Experten haben mit­gearbeitet. Zudem gab es eine Online-Befragung für die Be­völkerung. Gezeigt habe sich, dass die Wohn­situation die ­älteren Zürcherinnen und ­Zürcher am meisten umtreibt.

Wie werden Senioren künftig wohnen?

Ältere Menschen wollen – das zeigen die Befragungen – möglichst lange selbstbestimmt und im gewohnten Umfeld ­leben. «Wenn das im eigenen Zuhause nicht mehr möglich ist, wollen sie wenigstens im ­Quartier bleiben», sagte Hauri. Alters- und Pflegeheime in der herkömmlichen Form will die Stadt Zürich keine mehr. Ziel sind im Quartier verankerte ­Gesundheitszentren. Dort sollen verschiedene Wohn- und ­Betreuungsformen zusammenkommen, damit die Übergänge vom selbstständigen Wohnen bis zur Pflege rund um die Uhr niederschwellig sind. So will Hauri bis zu 600 Pflege­plätze reduzieren und dafür Platz schaffen für Wohnen mit Betreuung. Die ambulanten Leistungen etwa der Spitex sollen verstärkt werden. Hier rechnet Hauri mit weiterhin ­steigenden Kosten.

Wie will die Stadt Zürich die neuen Wohnformen umsetzen?

Die beiden Dienstabteilungen Alterszentren und Pflege­zentren werden zusammengelegt. Direktorin der neuen Dienstabteilung wird ab 1. August Renate Monego, die heute die Pflegezentren leitet. Rosann Waldvogel, die bisherige Leiterin der Alterszentren, wird ­frühpensioniert. Daraufhin werden alle Heime der Stadt Zürich überprüft und mit im Quartier fehlenden Dienstleistungen oder Wohnformen ergänzt. Werde etwa eine Alters-WG gewünscht, sei man gewillt, eine Etage in einem Alterszentrum entsprechend zu nutzen, sagte Andreas Hauri. Im Pflegebereich werden Schwerpunkte gesetzt bei Demenzstationen und Palliative Care. Werden Heime neugebaut, wird das neue ­Konzept gleich umgesetzt, so in Zürich Seebach, wo zwei ­Alters-WGs geplant sind.

Wie viele neue Alterswohnungen wird es geben?

Auf eine konkrete Zahl wollte sich Hauri am Dienstag nicht festlegen. Er spricht aber von «deutlich mehr Alterswohnungen». Die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich plant derzeit mehrere Projekte. So entstehen in Zürich Altstetten 130 und 260 neue Alterswohnungen im Kreis 5 an der Josef- und in Zürich Nord an der Thurgauerstrasse. Auch bei städtischen Liegenschaften sollen die älteren Zürcherinnen und Zürcher künftig besser berücksichtigt werden, etwa durch hindernisfreien Zugang.

Was kostet das?

Genaue Zahlen nennt Hauri nicht. Es handle sich aber nicht um ein Sparprogramm, auch wenn Pflegeplätze eingespart werden sollen. Wie viel jede Massnahme kostet, werde ­derzeit in der Feinplanung er­arbeitet.

Wer hat Zugang zu den Angeboten?

Alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Zürich. Es sei explizit ein Ziel der Stadt, dass sich auch ältere Menschen mit wenig Geld die Betreuung zuhause leisten können, sagte Hauri. «Niemand muss mehr wegen des Geldes in ein Heim ziehen, weil dort die Lebensunterhaltskosten von den Ergänzungsleistungen übernommen werden.» Derzeit suche man nach Finanzierungslösungen, um diesen Fehlanreiz zu korrigieren.

Woher weiss man, wo es welche Angebote gibt?

Die bestehende Website www.zueri60plus.ch soll zur ­Onlineplattform inklusive App ausgebaut werden, damit man einen schnellen Überblick erhält über die Dienstleistungen. Die Informationen sollen sich nach Quartier filtern lassen. Zudem sollen sie für Hör- und Seh­behinderte und Fremdsprachige gut zugänglich sein.

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