Coronavirus
Abgesagtes Alba-Festival führt zu Vorstössen im Kantonsrat - «Zurich Pride» findet ohne Bedenken statt

Die Bewilligungspraxis im Kantonsrat, die zur Absage des Alba-Festivals in Zürich führte, wurde nun von mehreren Parteien hinterfragt. Vor allem weil die «Zurich Pride» mit über 20'000 Demonstranten ohne Maskenpflicht bedenkenlos genehmigt wurde.

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Am Samstagnachmittag demonstrierten über 20'000 Menschen auf der «Zurich Pride» für ein Ja für die «Ehe für alle». Das Alba-Festival hingegen wurde abgesagt.

Am Samstagnachmittag demonstrierten über 20'000 Menschen auf der «Zurich Pride» für ein Ja für die «Ehe für alle». Das Alba-Festival hingegen wurde abgesagt.

Michael Buholzer

Während dem Alba-Festival in der Stadt Zürich kurzfristig die Bewilligung entzogen wurde, durfte eine Demonstration mit über 20'000 Teilnehmenden stattfinden - ohne verbindliche Corona-Schutzmassnahmen. Das ist im Kantonsrat am Montag auf Kritik gestossen.

Anfragen zum Bewilligungsentzug: Wirbel im Kantonsrat

Im Zürcher Kantonsrat wurden gleich zwei neue Anfragen eingereicht im Zusammenhang mit dem Bewilligungsentzug für das Alba-Festival und der durchgeführten «Zurich Pride» mit über 20'000 Teilnehmenden.

Eine Anfrage der EDU fordert vom Regierungsrat Auskunft über die «ungleiche Bewilligungspraxis». Eine Anfrage von FDP, GLP, AL und SP fordert vom Regierungsrat hauptsächlich detaillierte Angaben zum Bewilligungsentzug für das Alba-Festival, wirft aber ebenfalls die Frage auf, wie sich dieser mit der durchgeführten «Pride» vertrage.

AL und Grüne kritisieren den Entzug der Bewilligung in einer Fraktionserklärung als «unverständlichen Entscheid», gerade vor dem Hintergrund der Grosskundgebung, die habe stattfinden dürfen.

Ausgelastete Intensivstationen führten zur Absage

Rund 20'000 Besucherinnen und Besucher wurden am albanischen Kulturfestival Alba-Festival auf dem Zürcher Hardturm Areal am vergangenen Wochenende erwartet. Nachdem der Regierungsrat dem Anlass am Donnerstag die Bewilligung entzogen hatte, fand der Anlass jedoch nicht statt.

Die Regierung begründete den Schritt mit der epidemiologischen Lage, den stark ausgelasteten Intensivstationen in Zürcher Spitälern und den Umstand, dass die Impfquote unter den Albanern in der Schweiz, dem hauptsächlichen Zielpublikum des Anlasses, tief sei. Zutritt zum Festival hätten nur Personen mit gültigem Covid-Zertifikat gehabt.

Kaum Auflagen für die «Zurich Pride»

Keine solchen Bedenken äusserten die Behörden von Stadt und Kanton Zürich gegenüber der «Zurich Pride», an der am Samstagnachmittag über 20'000 Personen für ein Ja zur «Ehe für alle» demonstrierten. Dort galt nicht einmal eine Maskenpflicht. Die Organisatoren hatten jedoch empfohlen, Masken zu tragen.

Federführend bei dem Bewilligungsentzug fürs Alba-Festival war Regierungspräsidentin Jacqueline Fehr (SP). Der Entscheid stiess auch in ihrer eigenen Partei auf Kritik: «Eine Absage keine 48 Stunde vor dem Start ist unfair», sagte SP-Kantonsratsfraktionschef Markus Späth. Und fügte an: Zur Pandemiebekämpfung brauche es eine breit abgestützte Impfkampagne. «Die Stigmatisierung einer einzelnen Bevölkerungsgruppe schadet dabei.»

Die SVP kritisierte, Fehr lasse zu, was ihr gefalle. Es müsse aber für alle gleiches Recht gelten. Zudem forderte die SVP in ihrer Fraktionserklärung schärfere Kontrollen an den Grenzen als Mittel zur Pandemiebekämpfung. (sda/mts)

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