Coronakrise
Wirte meisterten Umstieg auf Take-away hygienisch korrekt

Restaurants stellten auf Take-away um, Lebensmittel wurden als Heilmittel gehandelt: Das Coronajahr stellte auch die Zürcher Lebensmittelkontrolleure vor spezielle Aufgaben.

Matthias Scharrer
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Take-away-Menus wurden wegen Corona zum Renner.

Take-away-Menus wurden wegen Corona zum Renner.

zvg

Die Rückkehr der Restaurants in die Normalität hat begonnen. Doch zurück liegt ein Jahr, das alles andere als normal war: Betriebe mussten wegen Corona schliessen oder stellten auf Take-away um. Das brachte auch punkto Lebensmittelhygiene spezielle Herausforderungen mit sich, wie dem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht des Kantonalen Labors Zürich zu entnehmen ist.

Zunächst stellte sich die Frage: Was tun mit den Lebensmitteln, die in den geschlossenen Restaurants noch auf Lager waren? «Es gab viele kreative Lösungen», sagt Kantonschemiker Martin Brunner. Manche gaben die Lebensmittel an Mitarbeitende oder Nachbarn ab. Andere starteten einen Take-away-Betrieb. In den ersten Lockdown-Wochen habe die kantonale Lebensmittelkontrolle dabei kostenfrei beratend mitgewirkt. Es ging um Themen wie das Lagern der Lebensmittel, die Gestaltung des Verkaufs und geeignete Lebensmittelverpackungen.

Im weiteren Verlauf der Pandemie stand dann laut Brunner die Kontrolle der Schutzkonzepte im Vordergrund: «Wir führten 90 bis 150 Kontrollen pro Woche durch», so der Kantonschemiker. Eine genaue Statistik über die Kontrollergebnisse gebe es nicht, aber: «In den meisten Fällen war alles okay. Und wo es noch Mängel gab, wurden sie schnell korrigiert.» Etwa, indem die Abstände zwischen den Tischen vorschriftsgemäss vergrössert wurden. Auch auf die Maskenpflicht in den Küchen richteten die Kontrolleure ihr Augenmerk. Wie weit sie eingehalten wurde, wenn sie wieder weg waren, lasse sich jedoch kaum beurteilen.

Lebensmittel als Heilmittel angepriesen

Ein anderes Phänomen, dem das Kantonale Labor wegen der Pandemie besondere Aufmerksamkeit widmete, sind angebliche Heilmittel: «Viele mit Corona assoziierte Produkte kamen auf», sagt Brunner. Einige sind im Jahresbericht erwähnt: So wurde auf einer Website der Eindruck vermittelt, dass die Einnahme von Vitamin D vor Corona schützen könne. Nach Einschreiten der kantonalen Kontrolleure durfte ein entsprechendes Vitamin-D-Präparat nicht mehr auf diese Weise vermarktet werden. Weder seien entsprechende Studien bekannt, die die Wirksamkeit belegen, noch sei eine solche gesundheitsbezogene Angabe für Lebensmittel zulässig, heisst es im Jahresbericht.

Auch ein Onlineshop, der einen Shot mit Ingwer und Zitronensaft als «stärkste Waffe gegen Grippe» vermarktete, musste diese Heilanpreisungen umgehend entfernen. Denn Lebensmittel dürfen gemäss Gesetz nicht als Heilmittel angeboten werden. Brunner erklärt, warum dies so ist:

«Das könnte den Leuten eine falsche Sicherheit geben. Sie sollen bei Bedarf besser ärztliche Hilfe suchen.»

Insgesamt stellt das Kantonale Labor den kontrollierten Betrieben in seinem Jahresbericht ein gutes Zeugnis aus: Lediglich bei sechs Prozent der Betriebe sei im Umgang mit Lebensmitteln ein erhebliches oder sogar grosses Risiko festgestellt worden. Überdurchschnittlich oft erwies sich allerdings handwerklich hergestelltes Glace und Softeis als mangelhaft.

Untersucht hat das Labor auch Pestizidrückstände bei Obst und Gemüse. Produkte aus der Schweiz erwiesen sich dabei als weitgehend unbelastet, während das untersuchte Gemüse und Obst aus Asien öfters zu hohe Pestizid-Rückstände aufwies.

Maulkorb zu Rückständen im Grundwasser

Zusammen mit dem Bund hatte der Kanton Zürich vergangenen September Befunde zu Pestizid-Rückständen im Grundwasser veröffentlicht. Konkret ging es um das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil, für das ein Grenzwert neu definiert worden war. Ergebnis: 80 Prozent der Zürcher Bevölkerung konsumiert Trinkwasser, das den erlaubten Höchstwert einhält. Vor allem der Zürichsee, der rund 40 Prozent des Trinkwassers im Kanton liefert, sei nur geringfügig belastet. Weiter heisst es jedoch im Jahresbericht des Kantonalen Labors: «In wenigen Fällen muss belastetes Grundwasser weiterhin genutzt werden, da derzeit zu wenig alternative Bezugsquellen zur Verfügung stehen.» In diesen Fällen werde mit Wasser aus anderen Ressourcen gemischt. Betroffen seien rund 62 Gemeinden, in denen 20 Prozent der Zürcher Bevölkerung leben. Das Trinkwasser im Kanton Zürich könne trotzdem bedenkenlos konsumiert werden, da der erlaubte Chlorothalonil-Höchstwert sehr tief angesetzt sei, heisst es im neuesten Jahresbericht des Kantonalen Labors. Doch wie hat sich die Situation inzwischen weiterentwickelt? Kantonschemiker Martin Brunner will sich dazu auf Anfrage nicht äussern. Der Grund: Der Agrochemiekonzern Syngenta hat beim Bundesverwaltungsgericht im Februar dieses Jahres eine Zwischenverfügung erwirkt. Diese verbietet es dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Abbaustoffe von Chlorothalonil öffentlich als toxikologisch relevant zu bezeichnen. Das Urteil in dem Streitfall steht noch aus, doch der Maulkorb wirkt.

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