Zürich

«Das ist sehr unglücklich für uns»: Kleine Läden drängen auf Wiedereröffnung

Kleidergeschäfte haben das Nachsehen – sie müssen noch immer zubleiben. (Symbolbild)

Kleidergeschäfte haben das Nachsehen – sie müssen noch immer zubleiben. (Symbolbild)

Wirtschaftsorganisationen, Gewerbeverbände und der Regierungsrat sind unzufrieden, dass kleine Läden geschlossen bleiben müssen.

Baumärkte und Gartencenter gehen am Montag wieder auf, kleinere Läden hingegen bleiben zu. So hat es vergangene Woche der Bundesrat beschlossen. «Das ist sehr unglücklich für uns», sagt Carole Hennessy. Sie betreibt in Dielsdorf das Gschänk- und Schilderhus und hat dort unter anderem auch Produkte im Sortiment, die man ab nächster Woche in Gartencentern kaufen kann. Darunter sind Dekorationsmaterial, Gartengnome und vieles mehr.

Bis jetzt war Hennessy zufrieden damit, wie der Bundesrat die Krise gemanagt hat. «Es ist gewiss nicht einfach, in einer solch schwierigen Lage die richtigen Entscheidungen zu treffen.» Jetzt findet sie aber: «Die Grossen werden bevorteilt.» So sieht es auch der KMU- und Gewerbeverband des Kantons Zürich. Dessen Geschäftsleiter Thomas Hess spricht von «Willkür und fehlender Logik». Die Diskriminierung der Kleinen gehe weiter. Die Forderung des Verbands: Jeder, der die Hygieneregeln einhalten kann, soll wieder öffnen können. Auch Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh (FDP) hat sich für die kleinen Läden stark gemacht.

Kleine Läden werden benachteiligt

Fredi Vögeli, ein weiterer Gewerbler und Inhaber der Papeterie Vögeli in Dielsdorf, sagt zum Stillstand für die kleinen Läden: «Es trifft uns frontal.» Beispielsweise beim Verkauf von Dekosachen für den Garten sowie von Bastel- und Schulmaterial würden kleine Läden wie seine Papeterie gegenüber den grossen Centern benachteiligt. «So, wie es im Moment aussieht, könnten wir den Verkauf erst mit zwei Wochen Rückstand starten.» Das sei deshalb schwierig, weil das Kleingewerbe gegenüber den grossen Unternehmen auch ohne Coronakrise schon in vielen Bereichen benachteiligt sei. «Jetzt kommt einfach noch etwas weiteres obendrauf.»

Vögeli würde sich vom Bund mehr Verständnis für die Kleingewerbler wünschen. Gut getragen fühlt er sich in der Krise hingegen von der Standortgemeinde. Diese unterstützte die Gewerbler vorbildlich, beispielsweise mit Beratungen. Der Unternhemer hat zudem mit Interesse beobachtet, wie die Behörden in Deutschland und Österreich den umgekehrten Weg gewählt haben wie in der Schweiz und dort zuerst die kleineren Läden öffnen.

Vögeli glaubt, dass die kleinen Läden die Hygieneregeln genauso gut einhalten können, wie die grossen. Er wäre jedenfalls darauf vorbereitet. «Desinfektionsmittel, Plexiglasscheiben, Masken für die Angestellten und Tröpfchensystem für den Einlass der Kunden – ich könnte alles garantieren.»

Dasselbe sagt Carole Hennessy, die für ihren Geschenkladen ein ähnliches Schutzkonzept erarbeitet hat. «Ich stelle sicher nicht den Profit über die Gesundheit. Wir wollen nicht, dass jemand krank wird.»

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der aus Sicht mancher Gewerbler für eine Wiedereröffnung spricht. Viele von ihnen kennen ihre Kunden persönlich. Sollte sich doch jemand infizieren, könnte die Ansteckungskette besser zurückverfolgt werden als in grossen Läden.

Sandra Sebestin beispielsweise hat im vergangenen November in Schöfflisdorf den Men’s Fashion Store eröffnet und ist daran, sich eine Stammkundschaft aufzubauen. Sie kenne also fast jeden, der den Laden aufsuche. «Laufkunden habe ich in einem kleinen Ort wie Schöfflisdorf praktisch keine», sagt sie.

Die Inhaberin des Kleiderladens trifft es ebenfalls hart, dass ihr Geschäft geschlossen bleiben muss. «Die Frühlingskollektion ist zum Verkauf da, jetzt würde ich einen grossen Teil meines Umsatzes machen», sagt sie. Gleichzeitig bleiben ihre Fixkosten, etwa die Miete und die Bezahlung der Lieferanten. Den Verlust, den sie nun einfährt, kann sie wie die anderen Unternehmer noch nicht beziffern – zu verworren ist die Situation derzeit für die Gewerbetreibenden.

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