Verkehrslärm
Der Tempo-Kampf in den Zürcher Quartieren geht weiter

Der VCS fordert die Einführung von Tempo 30 auf verschiedenen Strassen in Wollishofen. Auch in anderen Quartieren will er mehr Tempo 30. Der ACS wehrt sich dagegen.

Philipp Lenherr
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Der Zürcher Stadtrat argumentiert teilweise mit möglichen Folgen für den öffentlichen Verkehr gegen Tempo 30 – wie hier an der Kreuzung Klosbachstrasse/Asylstrasse im Kreis 7. KEYSTONE

Der Zürcher Stadtrat argumentiert teilweise mit möglichen Folgen für den öffentlichen Verkehr gegen Tempo 30 – wie hier an der Kreuzung Klosbachstrasse/Asylstrasse im Kreis 7. KEYSTONE

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Bis im März 2018 hat die Stadt Zürich – wie alle Schweizer Gemeinden – Zeit, ihre Bevölkerung vor übermässigem Verkehrslärm zu schützen. Bis dann beteiligt sich auch der Bund finanziell an der Umsetzung von Massnahmen. Eine Möglichkeit zur Lärmreduktion ist die Einführung von Tempo 30 auf Strassen, auf denen aktuell Tempo 50 gilt.

Eine andere mögliche Massnahme ist die Subventionierung von Lärmschutzfenstern für die betroffenen Anwohner.

Rund 60 Einsprachen

In der Stadt Zürich sind rund 130 000 Bewohnerinnen und Bewohner starkem Verkehrslärm ausgesetzt. Um die Einführung von Tempo 30 auf manchen Strassen ist jedoch schon seit langem ein zäher Streit im Gang: Während die Zürcher Sektion des Verkehrsclubs Schweiz (VCS) Temporeduktionen in vielen Fällen als die beste Lösung erachtet, wehren sich die Zürcher Sektionen des Automobilclubs Schweiz (ACS) und des Touring-Clubs Schweiz (TCS) mit Einsprachen dagegen.

«Gegen die Errichtung von Tempo-30-Zonen in reinen Wohnquartieren haben wir nichts einzuwenden», sagt ACS-Zürich Geschäftsführer Lorenz Knecht auf Anfrage. Aber sobald es um Quartierverbindungs- und -erschliessungsstrassen oder gar um Hauptstrassen gehe, wehre man sich gegen die Einführung von Tempo 30 aus Lärmschutzgründen. Rund 60 Einsprachen habe man diesbezüglich eingereicht in Zürich.

Neue Fenster reichen nicht

Aber auch die Gegenseite ist mit den von der Stadt vorgesehenen Lärmschutzmassnahmen nicht immer einverstanden. Mit Unterstützung des VCS haben kürzlich rund 200 Anwohner des Brunau-Quartiers in Zürich Wollishofen Beschwerde beim Stadtrat eingereicht.

Die Stadt will auf den durchs Quartier führenden Strassen Brunau-, Mutschellen-, Rieter- und Waffenplatzstrasse weiterhin Tempo 50 signalisieren, die Anwohner sollen Subventionen für Lärmschutzfenster erhalten. Die Einführung von Tempo 30 würde zu Verspätungen bei den Bussen führen, heisst es seitens der Stadt.

Mit der Situation im Brunau-Quartier habe sich der ACS noch nicht näher beschäftigt, sagt Knecht. Sollte die Einführung von Tempo 30 ausgeschrieben werden, wolle der Verband sich die Situation aber näher anschauen.

Der VCS begründet die Forderung nach Tempo 30 unter anderem mit einem Bundesgerichtsentscheid vom März dieses Jahres. Dieser betraf eine Strasse in der Stadt Zug. «In diesem Entscheid wird klar festgehalten, dass gemäss der geltenden Rechtslage alles getan werden muss, um den Lärm bereits an der Quelle zu bekämpfen», sagt Markus Knauss, Co-Geschäftsleiter VCS Zürich, auf Anfrage.

«Tempo 30 ist eine einfache und kostengünstige Massnahme dazu. Das Bundesgericht sieht die Subventionierung von Schallschutzfenstern hingegen als absolute Ausnahme an.» Für Knauss hat die Beschwerde gegen die im Brunau-Quartier vorgesehenen Massnahmen Pilotcharakter. Falls sich die Anwohner durchsetzen können, werde man auch andernorts in der Stadt auf die Einführung von Tempo 30 pochen.

Neues Tram wegen 8 Sekunden?

Der Stadtrat argumentierte auch in anderen Fällen schon mit möglichen Folgen für den öffentlichen Verkehr. Knauss nennt als Beispiel die Klosbachstrasse im Kreis 7. Knauss kritisiert die Begründung. Der Stadtrat macht geltend, dass wegen einer Fahrzeitverlängerung von 8 Sekunden ein neues Tram angeschafft werden müsste, dies bei einer Fahrzeit für die ganze Strecke von über einer Stunde.