Die Serie der Limmattaler Zeitung über historische Orte in der Stadt Zürich kommt zu einem Abschluss. Auf der interaktiven Karte finden Sie historische Orte und die direkten Links zu den Artikeln. 

Serie Historische Orte - interaktive Karte

 Im jüngsten Bericht lüften wir das Geheimnis über die Namensgebung des Münzplatzes in Zürich.

Für die einen ist der Brunnen am Münzplatz die Fontana di Trevi von Zürich, andere glauben wiederum, dass hier einst der Zehnte abgegeben werden musste und der Platz neben der Augustinerkirche deshalb seinen Namen trägt. Doch nichts davon trifft zu.

Die Augustinerkirche existiert seit nun mehr als 700 Jahren. Zwischen 1560 und 1841 aber wurde das einstige Gotteshaus als Münzwerkstatt und Lagerraum genutzt. Sie ist der Ort, an dem einst fünf Stadtzürcher eine neue Walzprägemaschine entwickelten, deren Technologie zu einem weltweiten Erfolg wurde.

Mit der Maschine konnten die Münzen besser und zudem mit noch weniger Arbeitsaufwand geprägt werden. Damit dürfte die wohl bedeutendste Münzemission – also aller in dieser Zeit in Auftrag gegebenen und geprägten Münzen eines bestimmten Typs – dieser Zeit einhergehen. Von 1555 bis 1561 wurden in der Stadt Zürich mehr als neun Millionen Florentiner, respektive Gulden geprägt. Für die damalige Zeit war dies eine beachtliche Summe. Zum Vergleich: In den besagten sechs Jahren wurden mehr Münzen gestampft, als in der gesamten ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

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Zur Erfindergruppe des Werks gehörte Hans Jakob Stampfer, der 1561 als Münzmeister der Stadt Zürich waltete. So ist er auch der erste seines Handwerks der im Zürcher Goldschmiede Verzeichnis erwähnt wird, das ab dem 16. Jahrhundert geführt wurde. Stampfer wollte zusammen mit vier weiteren Männern aus Zürich die Technologie des Prägewerks, das er bereits selber zum walzen von Münzen nutze, mit Gewinn vermarkten.

Die Truppe bestand der Überlieferung nach aus Rudolf Rordorf, einem Ingenieur, Martin Rosentaler, einem Münztechniker, Jakob Bluntschli, einem Zimmermann und Hans Vogler. Letzterer hatte aber keine Erfahrung in der Münzprägung. Dafür aber sorgte er mit seinem wortgewandten Auftreten für Aufmerksamkeit. Diese Eigenschaft verhalf ihm, in die Erfindergruppe um Stampfer aufgenommen zu werden. Denn die Walzprägmaschine musste dem damaligen Kaiser, der über das Münzrecht verfügte, schmackhaft gemacht werden. Dies war keine leichte Aufgabe in der zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Die Erfindungen florierten

Denn die Zürcher waren nicht die einzigen die eine solche Walze gebaut hatten. Unterschiedliche Münzmeister boten in ganz Europa selbstentwickelte Walzmaschinen den fürstlichen Häusern zum Kauf an. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde ein Streckwerk zum Prägen von Münzen eingesetzt. Mit der Maschine konnte der Metallstreifen, auf die Dicke gewalzt werden, welche für die Prägung benötigt wurde.

Die Technik der neuen Walzmaschine aus Zürich unterschied sich nur in Details von der Bisherigen. Auch diese verwendete für die Prägung einen Metallstreifen. Im Unterschied zur alten Technik wurde der Streifen aber auf beiden Seiten mit einer Prägung bedruckt. Zudem versuchte Stampfer noch weitere Finnessen der Prägkunst zu verbessern. So war die Prägetiefe auf dem Streifen zu berücksichtigen. Weiter mussten die Walzstempfel so geformt sein, dass ein runder Aufdruck auf den Metallstreifen entstand. Noch wichtiger aber war, dass die beiden Walzen exakt gleich schnell laufen.

Trotzt aller Bemühungen der Erfinder wurde die Maschine vom deutschen Kaiser Ferdinand I. 1564 abgelehnt. Er bemängelte, dass diese täglich ausgebessert und repariert werden musste.

Mehr als diese kaiserliche Ablehnung dürfte Stampfer den Fakt getroffen haben, dass in der Folge Kollege Rudolf Rordorf einen Bauvertrag für eine Münzprägemaschine erhielt – ohne je einen Prototypen geliefert zu haben. Rordorfs Auftrag war klar und ambitiös: Er sollte im Tirol zwei Walzen bauen, die von insgesamt acht Gesellen betrieben werden und pro Woche 15'000 Münzen prägen können. Hätte es Rordorf geschafft, wäre er mit 1500 Gulden belohnt worden. Aber er scheiterte, machte sich noch 1564 aus dem Staub und hinterliess einen Schuldenberg.

Von Zürich nach Übersee

Als nächstes wurde der sprachgewandte Hans Vogler mit der Erfindung beauftragt. Bereits zwei Jahre später gelang ihm, woran seine beiden Vorgänger gescheitert waren. Er entwickelte eine Maschine die pro Tag über 2000 Münzen prägen konnte. Bis die kaiserliche Vorgabe erreicht war, musste er jedoch noch zwei weitere Jahre an der Maschine herumtüfteln.

Was nach einem Erfolg klingt, endet für Vogler aber fatal. Von der versprochenen Belohnung zog der Kaiser kurzerhand die an Rordorf bezahlte Entschädigung ab. Der eigentliche Erfinder erhielt also nur noch rund 800 Gulden als Belohnung. Davon musste er aber noch Schulden in der Höhe von 1500 Gulden begleichen.

Auch das kaiserliche Patent, das Vogler noch zugesprochen bekam, brachte ihm nichts. 1569 konnte ein Konstanzer Münzmeister vor Gericht beweisen, dass seine Walzmaschine bereits seit vier Jahren in Betrieb ist.

Trotzdem breitete sich Voglers Technologie vom Tirol über Spanien bis nach Übersee aus. Zu guter Letzt gewährte der Kaiser Voglers Witwe und dessen Sohn eine Gnadenpension, da sie nach Voglers Tod auf einem hohen Schuldenberg sitzen blieben.