Coronavirus
Die breite Masse erhält die Impfung wohl erst im April: Wir klären die wichtigsten Fragen zum Impfstart

Ab 4. Januar können sich im Kanton Zürich Risikogruppen gegen Covid-19 impfen lassen. Die breite Bevölkerung braucht Geduld.

Heinz Zürcher
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Die stellvertretende Kantonsärztin Bettina Bally und Regierungsrätin Natalie Rickli präsentierten gestern ihre Impfstrategie.

Die stellvertretende Kantonsärztin Bettina Bally und Regierungsrätin Natalie Rickli präsentierten gestern ihre Impfstrategie.

Alexandra Wey

Der Impfstoff ist unterwegs, doch noch gibt es einiges zu tun, bis die ersten Zürcherinnen und Zürcher gegen Covid-19 geimpft werden können. «Es ist ein höchst komplexes Projekt, und wir brauchen Geduld», sagte Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli am Montag vor den ­Medien.

Wieso geht es nicht schon morgen los?

Andere Kantone wie etwa Luzern beginnen bereits in den nächsten Tagen. Im Kanton Zürich legt man erst am 4. Januar los mit den Impfungen. «Eine gute Vorbereitung ist wichtiger als Tempo», sagt Natalie Rickli. Vorbereitung heisst: Impfstoff und -material beschaffen und verteilen, genügend Personal rekrutieren, die Abläufe und Logistik sicherstellen und die Bevölkerung informieren.

Wer darf sich zuerst impfen lassen?

Weil die erste Lieferung nur etwa 16'000 Impfdosen enthält, gibt es eine Priorisierung. Vorrang haben Personen ab 75 mit oder ohne Vorerkrankungen. Danach sind über 65-Jährige an der Reihe. Voraussichtlich Ende Januar, wenn rund 50'000 weitere Dosen erwartet werden, kann mit der Impfung des Gesundheits- und Pflegepersonals begonnen werden. Anschliessend sind Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko wie etwa Gefängnissen oder Wohnheimen für Menschen mit Behinderung dran. Die breite Bevölkerung wird sich voraussichtlich erst ab April impfen lassen können.

Was ist mit Kindern und Schwangeren?

Sie dürfen sich sowieso nicht impfen lassen. «Sowohl für Schwangere als auch für Kinder gibt es keine Studien über die Wirkung des Impfstoffs», sagt die stellvertretende Kantonsärztin Bettina Bally.

Wo wird geimpft?

Die ersten Impfungen werden in Zürich am Hirschengraben durchgeführt. Dort befindet sich das Zentrum für Reise­medizin, das als grösste Reiseklinik der Schweiz über die ­nötige Expertise im Impfwesen verfügt. Für die Covid-19-­Impfungen hat es bereits ein Zelt aufgebaut. Ab dem 11. Januar wird zudem in einem Alters- und Pflegeheim in Wädenswil ein Testlauf für die Impfung von Heimbewohnern und -personal durchgeführt. Ab Ende Januar soll schrittweise in allen 358 Alters- und Pflegeheimen im Kanton Zürich geimpft werden. Im Verlauf des Februars können sich Risikogruppen auch in Hausarztpraxen impfen lassen– sofern diese über die nötige Infrastruktur zur Kühlung der Impfdosen verfügen. Die ­Verfallzeiten sowie die speziellen Aufbewahrungsvorschriften bedingen eine tägliche Mindestzahl von Impfungen pro ­Standort. Für die Impfung der breiten Bevölkerung wird bis Ende März in Zürich ein erstes Impfzentrum eingerichtet. Parallel dazu werden im Kanton drei weitere Impf­zentren vorbereitet. Die Standorte sind noch nicht bekannt.

Wie bekommt man einen ­Termin?

Am 30. Dezember wird die Gesundheitsdirektion über den genauen Ablauf informieren. Erst ab dann wird sich die erste Impfgruppe – die über 75-Jährigen – per Onlineformular oder über das Ärztefon 0800336655 anmelden können. Da die erste Lieferung nicht für alle reicht, wird auch das Prinzip «de Gschnäller isch de Gschwinder» eine Rolle spielen.

Wie läuft die Impfung ab?

Um Warteschlangen vor dem Zentrum für Reisemedizin zu vermeiden, werden Termine vergeben. Am Eingang des Zelts werden die Personalien aufgenommen, damit alle geimpften Personen in der Datenbank erfasst sind. Danach nimmt ein Arzt eine Triage vor und prüft, ob die Person fit genug ist für eine Impfung. Wer beispielsweise Fieber hat, wird zurückgewiesen. Danach erfolgt die Impfung. Bis man entlassen wird, wartet man aufgrund allfälliger Nebenwirkungen 15 Minuten in einer Art Ruheabteil. Das Prozedere dauert rund 27 Minuten. Pro Tag können im Reisezen­trum nicht mehr als 576 Personen geimpft werden. Im geplanten Impfzentrum in Zürich ist die Kapazität deutlich höher. Das Ziel sind dann 5000 bis 8000 Geimpfte pro Tag.

Reicht eine Impfung?

Nein. Für den Impfschutz sind zwei Impfungen im ­Abstand von drei bis vier ­Wochen notwendig. Mit der ­Anmeldung für den ersten Impftermin erhält man aber auch gleich einen zweiten. Die zweite Dosis wird automatisch reserviert.

Wie wirksam ist der Impfstoff?

Der Impfstoff von Pfizer/Biontech ist am 19. Dezember durch Swissmedic zugelassen worden. Gemäss den ausgewerteten Daten liegt der Impfschutz sieben Tage nach der zweiten Impfung bei über 90 Prozent.

Auch wenn sich das Virus ­verändert?

Laut Kantonsärztin Bettina ­Bally sollte der Impfstoff auch gegen die in England entdeckte neue Variante des Coronavirus wirken. Wie bei der Grippe­impfung könne auch bei ­Covid-19 der Bauplan des Impfstoffs auf mögliche Mutationen angepasst werden.

Muss ich mich impfen lassen?

Nein. Die Impfung ist freiwillig.

Gibt es Nebenwirkungen?

Man muss mit den nach Impfungen üblichen Nebenwirkungen rechnen: «Der Arm kann etwas erröten oder schmerzen», sagt Bettina Bally. Auch Müdigkeit oder leichtes Fieber seien nicht auszuschliessen.

Was kostet eine Impfung?

Die Impfung ist gratis.

Hat man überhaupt genug Personal?

Das ist eine grosse Herausforderung. Das bereits stark ausgelastete Gesundheitspersonal wird weiterhin stark gefordert sein. Medizinstudenten und andere qualifizierte Personen sollen aushelfen. Nebst dem Personal braucht es eine gute Logistik und genügend Kühlgeräte.

Wann sind alle geimpft?

Wer will, soll sich bis spätestens August impfen lassen können. So lautet jedenfalls das Ziel der Zürcher Gesundheitsdirektion. Eine Herdenimmunität stehe aber nicht im Vordergrund. Wichtiger sei es vorerst, alle Risikogruppen zu impfen und so die Ansteckungszahlen zu senken und die Spitäler zu entlasten.