Sechseläutenplatz

Die neue Heimat des Bööggen ist eröffnet

Das Wasserspiel plätschert, der Rest ist bereits verbaut: Der neue Sechseläutenplatz ist eingeweiht. Die Stadt feiert den Platz nun fünf Tage lang.

Seit Dienstagabend gibt es ihn ganz offiziell, den neuen Sechseläutenplatz. Sieben Seiten hat die Gästeliste zum Eröffnungsapéro umfasst. Nicht ohne mitschwingenden Stolz betont das Zürcher Tiefbaudepartement, es handle sich bei der 16 000 Quadratmeter grossen Fläche um «den grössten innerstädtischen Platz der Schweiz».

Trotzdem war von der gefeierten Grosszügigkeit nicht viel zu spüren. Auf einer abgetrennten Fläche rund ums frisch eingeweihte Wasserspiel standen sich die geladenen Gäste gegenseitig auf die Füsse. Auch der Rest des Platzes gleicht derzeit eher einer Landchilbi als einem urbanen Blickfang. Mobile Bühne, grosses Fresszelt, ein hoher Aufbau neben dem Scheiterhaufen, auf dem der Böögg thront. Nicht der echte Böögg, sondern ein Double ohne Sprengstoffpackungen.

Wer will, kann hinaufsteigen und sich mit dem fröhlichen Schneemann ablichten lassen. Fünf Tage lang feiert die Stadt nun ihren neuen Platz. Danach, am Montag, ziehen die Zünfter mit ihren Pferden auf. Davor muss allerdings der kostbare Valser Quarzit abgedeckt werden.

Zürichs Platzangst

Was ist es nur, das die Zürcher dazu treibt, offene Flächen immer gleich mit ausladendem Mobiliar zu besetzen? Vielleicht eine Art kollektive Platzangst? Rund die Hälfte des Jahres wird sich das neue Schmuckstück nun für allerlei öffentliche Veranstaltungen hergeben. Immerhin, an 180 Tagen soll er frei bleiben, der Platz, 120 davon während der Sommermonate. Dann lade er zum Ausspannen, betonte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) in ihrer Rede.

Doch selbst hartgesottene Kritiker der städtischen Festfreudigkeit kommen nicht umhin, den Sechseläutenplatz als Gesamtwerk zu loben. Noch vor wenigen Jahren war er zur Hälfte Parkplatz, der Rest bestand aus gestampftem Dreck und schimpfte sich Wiese.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte er zudem als Weizenfeld seinen Beitrag zur Anbauschlacht geleistet. Erst der historische Parkplatzkompromiss und das Ja zum Bau des Parkhauses Opera ermöglichten die neue Nutzung. Dass es etwa länger als geplant dauerte, daran waren bekanntlich die Pfahlbauer schuld, die ausgerechnet dort siedeln mussten. So verzögerten Ausgrabungen die Fertigstellung.

Minus eine Autospur

«Prächtig und grosszügig» sei er, der neue Platz, lobte Mauch. Und Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) erinnerte später daran, dass er auch für die Landbevölkerung eine grosse Bedeutung habe. «Die meisten von uns haben wohl in irgendeiner Weise eine emotionale Bindung zu diesem Platz», so Stocker. Damit meinte er eher den Circus Knie – der künftig wieder beim Bellevue gastieren wird – und wohl weniger die eine Autospur, um deren Abbau ein Kampf zwischen Stadt und Kanton entbrannt war. Sie bleibt während der Festivitäten schon mal gesperrt, der Verkehr kann also getrost üben, fortan ohne sie auszukommen.

Ein echter Blickfang ist das Wasserspiel, das künftig mehrere Meter in die Höhe schiessen wird. Mauch drückte den Buzzer, und unter Applaus setzte das Plätschern ein. Zum Leidwesen der Anwesenden dröhnte zeitgleich die 70er-Jahre-Hardrock-Schnulze «I was made for lovin’ you, Baby» von Kiss aus den Lautsprechern. Eine sonderbare Wahl. Für einmal hätte man vermutlich lieber dem Sechseläuten-Marsch gelauscht.

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