Zürich

Ein weiteres Opfer der Pandemie: Auch das Hotel Coronado schliesst

40 Zimmer, 3 Sterne, abseits des Zentrums gelegen: Das «Coronado» geht zu.

40 Zimmer, 3 Sterne, abseits des Zentrums gelegen: Das «Coronado» geht zu.

Wegen des Coronavirus: Die Zimmer werden jetzt als Business-Apartments genutzt. Offenbar mit Erfolg.

Ein weiteres Zürcher Hotel muss aufgrund der Coronakrise schliessen: das Coronado beim Universitätspark Irchel. Mit seinen 40 Zimmern und 3 Sternen, abseits des Stadtzentrums gelegen, ist es nicht so bekannt wie das 347 Zimmer grosse «Swiss­ôtel», das vor zwei Wochen sein Ende angekündigt hat.

Das Aus ist aber ein weiterer Beleg dafür, wie schwer die Branche mit der Pandemie zu kämpfen hat. Der Verband Hotellerie Suisse rechnet in den nächsten Monaten mit weiteren Schliessungen.

In einer Mitteilung schreibt Hotellerie Suisse, dass gemäss einer vom 30. September bis 4.  Oktober durchgeführten Branchenumfrage 37 Prozent der Schweizer Hotelbetriebe Kündigungen aussprechen werden. In den Städten rechnen gar 59 Prozent der Hoteliers mit solchen Massnahmen. Auf die gesamte Schweizer Stadthotellerie hochgerechnet, seien aktuell rund 142 Betriebe konkursbedroht.

Die Häuser werden als Hybridhotels geführt

Besitzerin des 1990 eröffneten Coronado-Hotels ist die Wel­come-­Hotels-Gruppe, der auch die «Allegra Lodge» und das «Welcome Inn» in Kloten gehören. CEO Marcel Wohlgemuth sagt, dass aufgrund der Reiserestriktionen die internationalen Gäste im «Coronado» ausgeblieben seien. Doch würden nicht alle Stadthotels gleich stark unter diesen Einschränkungen leiden. Während es beispielsweise für die Welcome-­Hotels in Basel wegen abgesagter Messen und Veranstaltungen «gar nicht rosig» aussehe, laufe es am Standort Bern «relativ gut».

Auch für die «Allegra Lodge» in Kloten ist Wohlgemuth zuversichtlich. Weil der Flugbetrieb praktisch am Boden liege, sei zwar der Umsatz eingebrochen. Zudem stünden nun die schwierigen Wintermonate bevor, in denen man auch ohne Corona jeweils zu kämpfen habe. «Wir hoffen aber, dass wir bis März durchhalten und es dann wieder besser aussieht.»

Guten Mutes ist Wohlgemuth, weil das «Allegra» als Hybridhotel geführt wird: Neben Hotelzimmern bietet es sogenannte Serviced Apartments. Diese verfügen über einen getrennten Schlaf- und Wohnbereich und eine Küche. Gleichzeitig können die Gäste die Annehmlichkeiten des Hotels nutzen. Derzeit logieren dort gemäss Wohlgemuth vor allem Projektleiter aus der IT- und Gesundheitsbranche – aber auch Sportler.

Serviced Apartments gibt es nun auch im Hotel Coronado. Allerdings werden sie nicht von der Welcome-Hotels-Gruppe geführt. «Als Hybridhotel wäre das Coronado zu klein gewesen», sagt Wohlgemuth. «Damit dieses Konzept funktioniert, braucht es eine grössere Anzahl von Gästen.» Und die Räume selber als Serviced Apartments zu betreiben, sei keine Option gewesen. Sie hätte nicht zur ­Philosophie der Welcome-Hotels gepasst.

Geschäftsreisende fehlen auch den Apartments

Eingezogen ist nun der Branchenspezialist Swiss Star Apartments. Er hat laut Wohlgemuth die Zimmer in Serviced Apartments umfunktioniert und sowohl den Betrieb als auch die drei «Coronado»-Mitarbeitenden per 1. Oktober nahtlos übernommen. Offenbar mit Erfolg. Alle Apartments seien belegt.

Zur Übernahme wollte sich Swiss Star Apartments nicht äussern. Anbieter von und Serviced und Business-Apartments waren in der Vergangenheit immer wieder Thema in der Stadt Zürich. Mieterverband und linke Politiker kritisierten, dass immer mehr Wohnungen durch solche Apartments verdrängt würden. Wohnraum werde dadurch noch knapper und teurer. Zudem sei es schlecht für ein Quartier, wenn Bewohner nur noch vorübergehend hier seien, ohne Interesse, die Nachbarschaft zu beleben.

In Zürich und Basel führt Swiss Star Apartments über 1000 solcher möblierter Wohneinheiten. Insgesamt gab es in Zürich laut dem Statistischen Amt der Stadt im Jahr 2017 noch 2760 Business-Apartments, 2019 waren es bereits 3270.

Ob sich dieser Trend trotz Corona fortsetzen wird, bleibt abzuwarten. Martin von Moos, Präsident des Zürcher Hoteliervereins und Geschäftsführer des Hotels Sedartis in Thalwil, bezweifelt allerdings, dass nun coronabedingt ein Hotelzimmer nach dem anderen in ein Ser­viced Apartment umfunktioniert wird. «Vorübergehend kann es eine grössere Nachfrage nach solchen Apartments geben. Aber eigentlich geht es diesen Anbietern genauso schlecht wie den Hoteliers. Auch sie leiden darunter, dass der Geschäftsreiseverkehr zum Erliegen gekommen ist.»

Zudem könnten auch Hotels diese Dienstleistungen anbieten. Im «Sedartis» habe er ebenfalls Gäste, die wegen Quarantänebestimmungen oder anderer Restriktionen über mehrere Monate bei ihm logierten. Für sie habe man die Zimmer einfach entsprechend eingerichtet.

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