Zürich

Einbruch um über 60 Prozent – Die Hotellerie in Zürich leidet im ersten Halbjahr brutal

Die Zürcher Hotellerie leidet.

Die Zürcher Hotellerie leidet.

Schweizweit sind die Logiernächte im ersten Halbjahr um knapp die Hälfte zurückgegangen. Noch schlimmer trifft es den Kanton und die Stadt Zürich. Dort sind die Zahlen im April und Mai sogar um 90 Prozent eingebrochen. Schliessungen drohen.

Die Zahl der Hotelübernachtungen ist im Kanton Zürich für das erste Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Das geht aus Zahlen hervor, welche das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag publiziert hat.

Lässt man die Monate Januar und Februar, in denen sich die Corona-Krise noch nicht bemerkbar machte, ausser Betracht, ist der Einbruch noch dramatischer. So ist für den März ein kantonsweiter Rückgang von 64,7 Prozent zu verzeichnen. Im April und Mai schnellt die Zahl auf deutlich über 90 Prozent, um sich dann im Juni auf gut 82 Prozent leicht zu erholen.

Das Minus in der Stadt Zürich allein liegt dabei immer ein paar Prozent höher als die Vergleichszahl für den ganzen Kanton. Und: Der Kanton Zürich ist viel stärker betroffen, als die ganze Schweiz mit einem Minus von 47,5 Prozent im ersten Halbjahr.

Drei Hauptgründe für Situation in Zürich

Martin von Moos, der Präsident des Zürcher Hoteliervereins (ZHV), kann sich erklären, weshalb Zürich unter der Corona-­Krise besonders stark leidet. Erstens seien die Geschäftsreisenden praktisch vollständig ausgeblieben. Sitzungen hätten per Videokonferenz stattgefunden. Zweitens seien mit der Streichung der Fernflüge die Gäste aus den wichtigen Regionen Nordamerika, China, Indien und den Golfstaaten völlig ausgeblieben. Und drittens hätten Grossveranstaltungen wie die Hockey-WM nicht stattgefunden.

Mit der Öffnung im Juni hätten Feriendestinationen wie der Kanton Graubünden erfreulicherweise zulegen können. Im Kanton Zürich seien das Oberland und die Zürichseeregion als Feriendestinationen entdeckt worden. «Wir hatten noch nie so viele Gäste aus dem Welschland wie in den letzten Wochen», sagt von Moos, der die Hotels Belvoir in Rüschlikon und Sedartis in Thalwil führt.

In der Stadt Zürich habe sich die Situation in einzelnen Hotels mit Schweizer Charme – weniger aber in Häusern, die zu internationalen Ketten gehören – positiv entwickelt.

Von Moos erwartet, dass man im Juli vermutlich einen weiteren Aufwärtstrend sehen wird. «Die Frage ist aber, wie lange das anhält», sagt von Moos. Was die Geschäftskunden, die Grossveranstaltungen und die Fernmärkte angeht, erwartet von Moos für die nächsten Monate keine grosse Verbesserung der Situation.

Es drohen Schliessungen von Hotels

In 95 Prozent der Hotels würde Kurzarbeit geleistet, und das werde sich wohl auch ab September nicht ändern. «Es ist in den letzten Wochen und Monaten bereits zu einem schleichenden Stellenabbau gekommen und dieser wird sich wohl noch fortsetzen», sagt von Moos.

Der Präsident des Zürcher Hoteliervereins will nicht so weit gehen, dass er nun ein Hotelsterben im Kanton Zürich prophezeit. «Die Lage ist für die Hotels unsicher, und es ist unklar, wie lange ihr Schnauf hält.» Die Häuser hätten wo möglich und nötig Corona-Kredite und Versicherungsleistungen bezogen sowie Mieterlasse ausgehandelt. «Jetzt ist bei vielen das Pulver verschossen», sagt von Moos.

Entscheidend sei, wie sich die Situation nun weiter entwickle. Komme jetzt ein weiterer Rückschlag mit steigenden Fallzahlen, werde es zu Hotelschliessungen kommen. Für die Hotellerie wäre es laut von Moos wichtig, dass man betreffend Kongresse und Grossveranstaltungen bald zu einer geregelten Normalität zurückfinde. «Sollten diese Segmente für weitere zwölf Monate brachliegen, wäre das verheerend für die Hotellerie», sagt von Moos. Der Hotelierverband stehe im Zusammenhang mit diesen Fragen in engem Kontakt mit der Politik.

«Den Kunden zeigen, dass es uns gibt»

Was die Vermarktung angeht, ist das Sache von Zürich Tourismus. Dort sagt Mediensprecher Ueli Heer, Zürich Tourismus versuche mit den knappen Mitteln, die zur Verfügung stehen, die Märkte stetig zu bearbeiten. «Wir müssen den möglichen Kunden zeigen, dass es uns gibt. Dann denken sie auch eher an uns, wenn wieder eine Reise ansteht», sagt Heer.

Aufmerksamkeit wolle man zudem mit der Re-Opening- Kampagne und der Sommerkampagne erregen, die Zürich Tourismus in letzter Zeit lanciert habe. In diesem Rahmen habe man Gästen auch die Chance geboten, günstiger ein Hotel in Zürich zu buchen.

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