Zürichsee

Fund im Zürichsee: Geheimnisvolles Schiffswrack wird erforscht

Erste Aufnahmen des Wracks: Im trüben Wasser des Zürichsees sind nur von ganz nah Details zu erkennen.

Erste Aufnahmen des Wracks: Im trüben Wasser des Zürichsees sind nur von ganz nah Details zu erkennen.

Das Feuer ist schon lange erloschen. Einst züngelten Flammen in der Feuerstelle, über der sich die Schiffsleute während der langen Reise auf dem Zürichsee ihre Mahlzeiten zubereiteten.

Verkohlte Reste sind noch heute erkennbar – über 100 Jahre später und in 25 Meter Tiefe. Die Feuerstelle beziehungsweise das Schiff, auf dem sie sich befindet, liegt 700 Meter vor Bäch auf dem Seegrund.

Das Wrack ist teilweise im Schlamm versunken. Entdeckt hat es der Sporttaucher Adelrich Uhr, dank einem Zufall: Der Ueriker Berufsfischer Fritz Hulliger hatte an der Stelle einen Anker verloren. Uhr sollte diesen suchen und stiess auf das Schiff. «Viele Entdeckungen macht man nur deshalb, weil sich Fischernetze in Wracks verheddern oder sich Anker verhaken», sagt der Hobbyarchäologe, der sich auf Wracks spezialisiert hat. 2012 erforschte er ein Ledischiff, das 1890 vor Obermeilen in einem Sturm gesunken war. «Vermutlich ging auch das Schiff vor Bäch in einem Sturm unter», sagt der 53-Jährige.

Die Bauzeit des Schiffs schätzt Uhr auf die Jahre 1840 bis 1880. Es hatte Kies geladen, zwei grosse Haufen sind auf dem Seegrund auszumachen. Das Material wurde verwendet, um Uferbereiche aufzuschütten und Land zu gewinnen, zum Beispiel beim Bahnhof Tiefenbrunnen.

Wenn das, was Uhr unter Wasser ausgemacht hat, tatsächlich eine Feuerstelle ist, muss es sich um ein Segelschiff handeln. Denn auf einfachen Schleppkähnen, sogenannten Brämen, gab es keine Feuerstellen. Bei einem Ledischiff mit Segel müsste irgendwo auch ein Mast zu finden sein – oder wenigstens ein Loch an Deck, wo ein solcher eingelassen war. Weder das eine noch das andere hat der Taucher bis jetzt gesichtet. Allerdings steht er mit seinen Untersuchungen erst am Anfang, obwohl er das Schiff bereits 2005 entdeckt hat. Die Zeit reichte bisher nicht für genauere Erkundungen. So existieren bis jetzt nur wenige Bilder. Die Ausmasse des Schiffs sind auf ihnen nicht zu erkennen.

Das soll sich ändern. Im Juni, wenn es im See wenig Plankton hat und die Sicht besser ist, will Adelrich Uhr zusammen mit Mitgliedern des Tauchclubs Zürichsee und den Swiss Archeodivers das Wrack erforschen. Von dessen Existenz wissen bis jetzt nur wenige Menschen. Funde wie dieser werden nicht an die grosse Glocke gehängt und die Koordinaten nicht bekannt gegeben.

Uhrs Mannschaft ist handverlesen. Bedingung ist, dass jeder einen der Einführungskurse absolviert hat, welche die Gesellschaft für Schweizer Unterwasserarchäologie anbietet. Diese richten sich an Freizeitforscher, die nach Wracks und anderen Relikten im See tauchen. Solche «Miliz-Archäologen», wie Uhr sie nennt, spielen bei Forschungen unter Wasser eine wichtige Rolle. Hierzulande steckt die Schiffsarchäologie in den Anfängen und es fehlen Zeit, Geld sowie genügend ausgebildete Taucher, um sämtliche Funde zu erforschen.

Hoffen auf alte Dokumente

Uhrs Team wird mehrmals tauchen, um das Wrack zu vermessen, die Ladung zu untersuchen, weitere Überreste aufzustöbern und alles fotografisch zu dokumentieren. Pro Mal sollen nicht mehr als zwei Personen tauchen, weil sonst zu viel Schlamm aufgewirbelt und das Schiff beschädigt werden könnte. Die Taucher graben nur in Ausnahmefällen – etwa wenn sie etwas Interessantes vermuten. Die Stelle müssen sie anschliessend wieder zudecken. «Denn was im Schlamm liegt, bleibt erhalten», sagt Uhr.

Die Vorbereitungen für die Untersuchung laufen jetzt an. Mit Tauchen allein ist es nicht getan. So hofft Uhr, dass er mithilfe von Zeitungsarchiven etwas über das Schiff herausfindet. Im Falle von Obermeilen war er im Archiv der «Zürichsee-Zeitung» fündig geworden: In einer Ausgabe von 1890 stiessen sie auf eine Meldung über ein Schiffsunglück. Der Vorfall war dokumentiert worden, aber über die Jahre in Vergessenheit geraten. Gut möglich, dass es sich beim Wrack vor Bäch ebenso verhält.

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