Zürich

«Ich bin kein geldgieriger Mensch» – sagt der früheren ZKB-Direktor aber erpresste seine eigene Bank

Ein ehemaliger Direktor der ZKB hatte sich über «schwerwiegende Regelverstösse» seiner Bank beschwert.

Ein ehemaliger Direktor der ZKB hatte sich über «schwerwiegende Regelverstösse» seiner Bank beschwert.

Er habe seine Vorgesetzten auf illegale Praktiken aufmerksam machen und nebenbei eine Abfindung verlangen wollen. So lautet die Version des früheren ZKB-Direktors. Für das Obergericht war das Erpressung.

Seine Ausführungen klangen überzeugend. Vor Obergericht zeichnete das ehemalige ZKB-­Kadermitglied das Bild eines rechtschaffenen Bankangestellten, der als KV-Stift seine Karriere begann und sich mit ehrlicher Arbeit nach oben schuf. «Ich bin kein geldgieriger Mensch», «ich habe einen starken Gerechtigkeitssinn», «ich suche immer eine einvernehmliche Lösung»: So beschrieb der 53-jährige Familienvater seinen Charakter.

Als er 2016 die Möglichkeit bekam, beim ZKB-Private-­Banking im Rang eines Direktors einzusteigen, packte er die Chance. Mit seinen guten Kundenkontakten im nördlichen Nachbarland sollte er das Deutschland-Geschäft der Bank ankurbeln.

Bald habe er jedoch festgestellt, dass er die Erwartungen nicht erfüllen konnte. «Ich merkte, dass die ZKB die rechtlichen Grundlagen für Kundenakquise in Deutschland gar nicht geschaffen hatte.» Die sogenannten Cold Calls, mit denen deutsche Kunden angeworben werden sollten, seien verboten gewesen – und deshalb mit seinem Arbeitsethos nicht zu vereinen.

Der Frust habe sich in Form von Herzstörungen bemerkbar gemacht. Und so beschloss er, den Präsidenten des ZKB-Bankrats sowie seinen Vorgesetzten und einen weiteren Mitarbeiter über die angeblich illegale Praxis zu informieren. Dass er bei den Gesprächen drohte, die Finanzmarktaufsicht (Finma) und ihr deutsches Pendant über die «schwerwiegenden Regelverstösse» zu unterrichten und «einen grossen Knall auszulösen», sei ein Fehler gewesen. «Ich wurde zu emotional.»

Zu diesem Zeitpunkt habe er schon gewusst, dass er die ZKB verlassen würde. Nicht aber ohne bei der Bank eine – wie er sagte – «arbeitsrechtliche Forderung» zu platzieren. Und zwar in der Höhe von 500'000 Franken. Schliesslich habe ihn die Bank bei der Anstellung in die Irre geführt. Bis er sich beruflich wieder eingliedern könne, würden zwei Jahre vergehen. Macht umgerechnet auf zwei Jahresgehälter plus Boni eine halbe Million. Sollte die Zahlung erfolgen, sei er bereit, eine ­Stillhaltevereinbarung zu unterzeichnen. Ein Zusammen- hang zwischen der Geldforderung und einer möglichen Meldung an die Finma habe nicht bestanden.

Kundendaten und andere Interna an Ehefrau geschickt

Das sahen die Staatsanwaltschaft und die ZKB-Anwälte anders: Erstens seien die Praktiken der Bank überhaupt nicht illegal gewesen. Illegal sei das Vorgehen des Beschuldigten. Dieser habe die ZKB erpresst, indem er 500'000 Franken verlangte, ansonsten er mit den angeblichen Unregelmässigkeiten an die Finma gelangen würde.

Strafbar gemacht habe er sich auch, weil er Kundendaten und interne Protokolle an seine Ehefrau geschickt habe.

Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den Beschuldigten vor einem Jahr wegen der ver­suchten Erpressung und der versuchten Verletzung des Geschäftsgeheimnisses zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 330 Franken.

Auch das Obergericht ­taxierte die Ausführungen des Beschuldigten als reine Schutzbehauptungen und be- stätigte die versuchte Erpressung. Die Aussagen der drei ZKB-Kader seien glaub­würdig, begründete der Gerichtsvorsitzende das Urteil, und zwischen der 500'000-­ Franken-Forderung und der Finma-Androhung gebe es ­eindeutig einen Zusammenhang.

Zudem sei es bei der Ver­letzung des Bankgeheimnisses nicht beim Versuch geblieben. Schliesslich habe seine Frau die geheimen Dokumente er­halten und gesehen. Das zeigten Handyauswertungen.

Das Obergericht beliess es bei einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten und einer Probezeit von zwei Jahren. Die bedingte Geldstrafe ­reduzierte es auf neu 120 Tagessätze zu 140 Franken.

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