Immobilien
Zürcher Stadtrat will den Uetlihof für über 1,2 Milliarden Franken kaufen

Der Zürcher Stadtrat will den Uetlihof kaufen, den grössten Bürokomplex der Schweiz. Besitzer des Gebäudes ist aktuell der norwegische Staatsfonds. Die Credit Suisse beschäftigt an diesem Standort unterhalb des Uetlibergs zurzeit rund 8'500 Mitarbeitende.

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Die Stadt Zürich will den Uetlihof kaufen, den grössten Bürokomplex der Schweiz. Aktuell gehört er dem norwegischen Staatsfonds. Im Bild: Die Credit Suisse beim Uetlihof.

Die Stadt Zürich will den Uetlihof kaufen, den grössten Bürokomplex der Schweiz. Aktuell gehört er dem norwegischen Staatsfonds. Im Bild: Die Credit Suisse beim Uetlihof.

Michael Buholzer / KEYSTONE

Anfang Februar wurde bekannt, dass der norwegische Staatsfonds den riesigen Bürokomplex verkaufen will. Zehn Jahre zuvor hatte die Credit Suisse den ganzen Campus nach Norwegen verkauft und ist seither Mieterin. Pro Jahr zahlt sie dafür einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Neue Besitzerin des Uetlihofes will nun die Stadt Zürich werden: Sie werde am vertraulichen Verkaufsprozess teilnehmen, teilte der Stadtrat am Donnerstag mit. Um mitbieten zu können, beantragt der Stadtrat beim Parlament nun im Eiltempo einen Nachtragskredit von stolzen 1,2 Milliarden Franken.

Dieser Betrag entspreche nicht dem beabsichtigten Kaufangebot, sondern dem aktuellen Gebäudeversicherungswert der Liegenschaft, betonte der Stadtrat. Falls nötig, will die Stadtregierung weiteres Geld als dringlichen Nachtragskredit beschliessen.

Das Parlament solle den Betrag dann nachträglich genehmigen. Mit diesem unüblichen Vorgehen könnte die Stadt ein Angebot einreichen, ohne gegenüber den Konkurrenten benachteiligt werden.

Credit Suisse soll in der Stadt bleiben

Sofern der Verkauf an die Stadt zustande kommt, muss die Credit Suisse aber nicht ausziehen, im Gegenteil. Der Stadt geht es mit dem Kauf auch darum, dass die Credit Suisse in Zürich bleibt - und die Arbeitsplätze nicht an günstigere Standorte auslagert.

«Der Finanzplatz ist ein wichtiges Rückgrat der Stadtzürcher Wirtschaft, die Credit Suisse ist traditionell eine bedeutende Arbeitgeberin in unserer Stadt»,

wird Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) zitiert. «Es liegt im Interesse der Stadt, dass sie dem Standort langfristig erhalten bleibt.»

Der Mietvertrag der Credit Suisse läuft noch bis 2037 und kann von ihr bis zu 15 Jahre verlängert werden. Sofern die Credit Suisse ihre Arbeitsplätze dereinst doch einmal verlagert, würde die Stadt aber immer noch vom Uetlihof profitieren, ist der Stadtrat überzeugt.

Baulandparzelle für künftige Generationen

Der 55’000 Quadratmeter grosse Bürokomplex liegt in einer Wohnzone, in der fünf Stockwerke möglich sind. Es ist die zweitgrösste zusammenhängende Wohnbaulandparzelle in der Stadt. Nach Auslaufen des Mietvertrags könnten die Bürogebäude weiterhin als Büros genutzt werden, oder dann aber zu Wohnungen oder Bildungseinrichtungen umgenutzt werden.

«Der Uetlihof ist eine wichtige Baulandreserve für die nächste oder übernächste Generation», wird Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) zitiert. Daher sei das Interesse am Kauf dieser Parzelle gross. Zudem soll gemäss Stadtratsmitteilung verhindert werden, dass die Liegenschaft an eine Investorin aus dem Ausland verkauft wird. (sda)

Reaktionen

FDP und SVP kritisieren die Pläne des Stadtrats

Der rotgrün dominierte Zürcher Stadtrat erntet Kritik von rechts für seine Pläne, den Uetlihof für über eine Milliarde Franken zu kaufen. «Mit dem neusten beabsichtigten Spekulationskauf des Stadtrats entfernt sich die Immobilienpolitik der Stadt weiter von einem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln», schreibt die FDP in einer Medienmitteilung. Und: «Die Erfüllung einer echten städtischen Aufgabe ist hier weit und breit nicht in Sicht.» Mit dem Kauf würde die Immobilienspekulation angeheizt, ohne eine einzige Wohnung zu schaffen.

Die SVP doppelt nach: «Damit stösst der Stadtrat bei der Verstaatlichung von Grund und Boden in neue Dimensionen vor.» Die SVP lehnt diese Verstaatlichungs-Gelüste ab, wie sie weiter in ihrem Communiqué festhält: «Wirtschaftsaktivitäten müssen bei den Privaten belassen werden, dazu gehört auch das Eigentum an den Liegenschaften für die wirtschaftliche Tätigkeit.» Sowohl FDP als auch SVP wollen das Vorhaben im Stadtparlament bekämpfen. Die FDP appelliert dabei auch an «gemässigte Stimmen bei SP, Grünen und AL», um gemeinsam brauchbare Antworten auf die sich stellenden Herausforderungen der städtischen Wohnungspolitik zu erarbeiten.

Die SP applaudiert dem Stadtrat, in dem sie vier von neun Mitgliedern stellt, in ihrer Stellungnahme: Sie sieht den geplanten Kauf des Uetlihof-Areals als sinnvolle Investition in die Zukunft. Das Areal habe langfristig das Potenzial für Gewerbeflächen mit tausenden Arbeitsplätzen und bezahlbaren Wohnraum für tausende Zürcherinnen und Zürcher. Zu wünschen sei, dass der Stadtrat sich ebenso engagiere, um rasch mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. (mts)

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