Kantonsrat
Bienen retten: Breite Mehrheit von der FDP bis zu den Grünen setzt auf Pestizid-Verbot

Ein Pestizid-Verbot auf Kantonsland wird im Zürcher Kantonsrat nicht nur von der rot-grünen Öko-Allianz unterstützt: Auch die FDP und die Mitte stimmten dafür ‒ als Beitrag zur Rettung der Bienen. Und das kurz vor der nationalen Abstimmung über ein völliges Verbot synthetischer Pestizide.

Matthias Scharrer
Drucken
Teilen
Bienen sind durch mehrere Faktoren bedroht. Einer davon sind Pestizide.

Bienen sind durch mehrere Faktoren bedroht. Einer davon sind Pestizide.

Keystone

Knapp eine Woche vor der Abstimmung über ein landesweites Verbot synthetischer Pestizide hat der Zürcher Kantonsrat am Montag dem GLP-Postulat «Rettet die Bienen – zum Zweiten» zugestimmt. Der Vorstoss verlangt, dass auf kantonseigenem Kulturland künftig keine bienenschädigenden Pestizide eingesetzt werden. Es ist ein Entscheid mit begrenzter Tragweite, doch er könnte Symbolkraft haben.

Speziell: Nebst den üblichen Verdächtigen der Öko-Allianz aus SP, Grünen, GLP, AL und EVP stimmten auch die Mitte und die FDP für den GLP-Vorstoss. Damit hat die Öko-Allianz Parteien auf ihrer Seite, die sich auf nationaler Ebene gegen ein Pestizid-Verbot aussprechen.

1,8 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen betroffen

Wobei das von Sonja Gehrig (GLP, Urdorf) vor drei Jahren lancierte Postulat zur Rettung der Bienen nur ein stark eingegrenztes Pestizidverbot zur Folge hätte: Es beträfe lediglich 1,8 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Kanton Zürich, wie Domenik Ledergerber (SVP, Herrliberg) sagte – eben jene Flächen, die sich im Besitz des Kantons befinden. Zudem seien manche der im Postulat namentlich erwähnten Pestizide in der Schweiz bereits seit 2019 verboten. Überhaupt seien allfällige Zulassungsstopps auf nationaler Ebene zu beschliessen.

Dennoch fand die Mehrheit des Kantonsrats, der Kanton Zürich solle eine Vorreiterrolle übernehmen. «Es gibt noch weitere für Bienen giftige Pestizide», sagte GLP-Kantonsrätin Gehrig. Und:

Sonja Gehrig, GLP-Kantonsrätin aus Urdorf.

Sonja Gehrig, GLP-Kantonsrätin aus Urdorf.

zvg
«Es stellt sich die Frage, ob wir Gifte vorsorglich verbieten oder künftig unsere Obstbäume von Hand bestäuben müssen.»

Zwar seien die Ursachen für das Bienensterben vielfältig, sagte Regierungsrat Martin Neukom (Grüne): Es gebe weniger blühende Pflanzen, auch, da oft zu früh gemäht werde. Ebenso trügen Varroamilben zum Bienensterben bei. Doch Pestizide seien ebenfalls ein Faktor: «Wenn wir Pestizide einsetzen, bestehen immer Risiken, dass noch andere Tiere getroffen werden als die Zielorganismen», so Neukom. Feststehe: «Das Bienensterben ist extrem besorgniserregend.»

Unterstützung von der FDP und vom Ex-SVP-Präsident

Mit Konrad Langhart sprach sich auch der zur Mitte-Fraktion gewechselte ehemalige SVP-Kantonalparteipräsident für Gehrigs Postulat aus. Vor sechs Jahren, als ein gleichlautendes Postulat schon einmal zur Debatte stand, sei er noch dagegen gewesen, wie auch die damalige CVP und die SVP. Doch die Zeiten hätten sich geändert. «Als Bauer bin ich überzeugt, dass wir auf die im Postulat erwähnten Pestizide verzichten können», sagte der Biobauer aus Stammheim. Sein Ja zum Postulat wolle er als Zeichen verstanden wissen, dass sich heute schon viel bewege.

Bienen seien nicht nur für die Biodiversität wichtig, sagte Barbara Franzen (FDP, Niederweningen). «Die Arbeit der kleinen Bestäuber ist sehr wertvoll.» Zwar habe der Regierungsrat auf einen FDP-Vorstoss hin kürzlich bereits ein Bienenkonzept vorgelegt. Darin heisst es unter anderem: «Eine Vielzahl an landwirtschaftlichen Kulturen ist auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen, darunter die Beeren- und Obstkulturen, Raps, Sonnenblumen, Ackerbohnen und verschiedene Gemüsekulturen.» Auch wurde die Schaffung einer oder eines kantonalen Bienenbeauftragten angekündigt. Pestizid-Fragen habe der Regierungsrat in seinem Konzept aber nur knapp behandelt, so Franzen. Daher unterstütze die FDP den GLP-Vorstoss.

Der Regierungsrat muss nun innert zwei Jahren einen Bericht dazu vorlegen. «Doch wer weiss, vielleicht ist dieses Postulat am nächsten Wochenende schon veraltet», sagte GLP-Kantonsrätin Gehrig mit Blick auf die kommende eidgenössische Volksabstimmung.

Aktuelle Nachrichten