Bezirksgericht Meilen

Kein Beweis, dass es ein Auftragsmord war: Freispruch für Tochter von Küsnachter Mordopfer

Ärztin in Küsnacht (ZH) ermordet: Tochter vom Vorwurf des Auftragsmordes freigesprochen

Ärztin in Küsnacht (ZH) ermordet: Tochter vom Vorwurf des Auftragsmordes freigesprochen

Im Prozess um den Mord an einer 73-jährigen Ärztin in einer Küsnachter Villa hat das Bezirksgericht Meilen am Montag seine Urteile verkündet. Die 47-jährige Tochter des Opfers wurde freigesprochen. Ihr war vorgeworfen worden, sie hätte den Mord an der Ärztin im August 2016 in Auftrag gegeben. Ein 37-jähriger Mann hingegen wurde des Mordes und anderer Delikte schuldig gesprochen. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren verurteilt.

Ein weiterer Beschuldigter muss allerdings für 19 Jahre hinter Gitter.

Zwei Freisprüche und eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren: Die Urteile des Bezirksgerichts Meilen könnten kaum unterschiedlicher sein. Als erwiesen sehen es die Richter an, dass ein 37-Jähriger 2016 eine Ärztin in Küsnacht getötet hat. Grausam, besonders skrupellos und verwerflich habe er gehandelt, als er die von einer Krebserkrankung geschwächte Frau im Schlaf überrascht und erstickt habe. Das rechtfertige eine Verurteilung wegen Mord, sagt der vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung.

Im Fall des 37-Jährigen reichen dem Gericht die Beweise. Geständnisse oder Zeugen für die Tat gibt es nicht. Ein natürlicher Tod sei möglich, doch es sei mit «an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so», dass ihr jemand mit Folie und wohl Kopfkissen ihre Atemwege verlegt habe, worauf das Opfer erstickt sei, urteilt das Gericht.

Der nun Verurteilte hat die Beweise am Tatort hinterlassen. Seine DNA-Spuren wurden überall im Schlafzimmer der Getöteten gefunden, auf dem Bett, ihrem Pyjama oder der Cellophanfolie mit der die Frau mutmasslich erstickt wurde. Mit seinem Verhalten in den Tagen nach dem Tod der Ärztin hat er sich ebenfalls keinen Gefallen getan. Er hob mit ihren Bankkarten gut 30000 Franken ab, verprasste den grössten Teil in einem Zürcher Nachtclub, wie es der Richter nennt, und schenkte einer Tänzerin eine im Haus entwendete Uhr. Ein Foto dieser Uhr sowie weiterer Wertgegenstände des Opfers fanden die Ermittler auf dem Handy des 37-Jährigen.

Warum soll er den Mord begangen haben? Das Gericht geht von rein finanziellen Motiven aus. Möglich sei auch, dass er der Tochter einen «Gefallen» machen wollte. Deren Verhältnis zur Mutter war schwierig, offenbar hat sie gegenüber Dritten auch geäussert, dass sie ihre Mutter tot wünsche. Doch ein Beweis, dass sie dem Mann, in den sie verliebt war, der aber nicht ihr Freund war, einen Auftrag zur Tötung gegeben hat, ist das nicht. Die Richter gehen zwar davon aus, dass sie ihm gesagt hat, wo sich ein Schlüssel für das Haus befindet und wie man sich im Haus zurechtfindet, doch die Argumente der Staatsanwaltschaft überzeugten das Gericht nicht von ihrer Schuld.

Es fehlte die Angst vor einer Enterbung

So ist es durchaus möglich, dass eine verräterische SMS, in der sie davon spricht, 300000 Franken für ihn aufzutreiben, einen anderen Hintergrund hat, etwa einen Drogendeal, wie ihr Verteidiger vermutet. Auch die Motivlage ist dem Gericht zu dürftig. Zwar habe es Spannungen zwischen Mutter und Tochter gegeben, vor allem wegen ihrer Tablettensucht, doch Angst vor einer Enterbung, wie vom Staatsanwalt angetönt, sei kaum da gewesen. Die Mutter habe sie stets finanziell unterstützt, trotz aller Probleme. Das Gericht spricht die Tochter aus all diesen Gründen frei.

Gegen den angeblichen Mittäter schliesslich spreche nur, dass er in der Tatnacht mehrfach mit dem Täter telefoniert habe und sein Handy zu einer ähnlichen Zeit an den gleichen Orten in der Stadt Zürich aus- und wieder angestellt worden sei. Ob er in der Zeit in Küsnacht gewesen sei und was er dort getan habe, sei völlig offen, so der vorsitzende Richter. Zwar zeigten die Spuren am Tatort deutlich, dass ein zweiter Täter vor Ort war, doch DNA und Schuhabdrücke konnten dem 31-Jährigen nicht zugeordnet werden. Er kommt ohne Strafe davon.

Bei diesem Ausgang des ­Verfahrens gibt es happige Entschädigungen für die lange Untersuchungshaft der Tochter, nämlich 200000 Franken, und des angeblichen Mittäters, nämlich 42000 Franken. Ob die Urteile Bestand haben werden, ist offen. Der Prozess ­dürfte am Obergericht fortgesetzt ­werden. Der Verteidiger des Verurteilten hat noch im ­Gerichtssaal Berufung angemeldet. Der Staatsanwalt will im Fall der Freisprüche die Berufung zumindest prüfen.

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