Zürich

Mann muss nach Schlägen gegen Babybauch das Land verlassen

Der Mann beteuerte vor dem Obergericht seine Unschuld.

Der Mann beteuerte vor dem Obergericht seine Unschuld.

Ein Italiener hat seine schwangere Frau mit Faustschlägen traktiert. Dafür wurde der Mann auch vom Obergericht schuldig gesprochen.

Im Oktober 2017 soll ein Streit zwischen einem jungen, damals im Bezirk Meilen wohnhaften Ehepaar derart ausgeartet sein, dass der Mann seiner zu diesem Zeitpunkt etwa im dritten Monat schwangeren Ehefrau mehrere Faustschläge in den Bauch verpasst haben soll. In der Folge erlitt sie einen Abort. Deswegen und wegen weiterer Fälle häuslicher Gewalt musste sich der 25-Jährige kürzlich vor dem Zürcher Obergericht verantworten.

Er glaube fest an die Gerechtigkeit der Schweizer Justiz, erklärte der junge Mann den Richtern. Deshalb habe er das Urteil des Bezirksgerichts Meilen, welches ihn zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren und einem Landesverweis für sechs Jahre verurteilte, weitergezogen.

Wie schon vor dem Bezirksgericht beteuerte der Mann auch vor dem Obergericht seine Unschuld. Geschlagen habe er seine mittlerweile von ihm geschiedene Frau nie, höchstens einmal geschubst. Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Paar habe es immer nur in Bezug auf das Thema Geld gegeben. Während er arbeitete, sei seine Frau ständig in die Ferien zu ihren Eltern nach Ma­zedonien gefahren und habe ein Luxusleben geführt. «Arbeiten wollte sie nicht», gab der Beschuldigte, der einen Albanisch-Übersetzer für die Verhandlung benötigte, zu Protokoll.

Auch bezweifelte der Mann mit Undercut und Bart, dass seine Ex-Frau überhaupt je schwanger gewesen sei. Einen positiven Schwangerschaftstest oder ein Ultraschallfoto habe er nie zu Gesicht bekommen. Stattdessen berichtete er den Vorsitzenden, wie seine damalige Frau ihm ein Bild samt Bilderrahmen über den Kopf geschlagen hat.

Während die Ex-Frau vor dem Bezirksgericht Meilen als Privatklägerin von den Gewaltausbrüchen ihres Mannes berichtete, blieb sie der Verhandlung am Obergericht fern. Ihre Anwältin plädierte indes dafür, das Urteil des Bezirksgerichts sei zu bestätigen. Gleiches forderte auch die Staatsanwaltschaft.

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten forderte derweil, sein Mandant sei freizusprechen, wobei sich der Jurist ausschliesslich auf die Vorwürfe der mehrfachen Körperverletzung, der mehrfachen Tätlichkeit und der Nötigung konzentrierte.

«Vorinstanz hat sich von Emotionen leiten lassen»

Die vom Beschuldigten nach der Verhandlung in Meilen zusätzlich erbetene Verteidigerin erläuterte in der Folge, weshalb der Angeklagte auch betreffend den strafbaren Schwangerschaftsabbruch und die Gefährdung des Lebens zu Unrecht verurteilt wurde. Das Bezirksgericht habe ihren Mandanten einzig beruhend auf den Aussagen der Ex-Frau schuldig gesprochen. Objektive Beweismittel jedoch fehlten vollkommen. «Die Vorinstanz hat sich von Emotionen leiten lassen.» Gegen die Aussagen der Frau spreche etwa die Tatsache, dass sie erst ein halbes Jahr nach der vermeintlichen Fehlgeburt Anzeige erstattet habe. Ihre Aussagen seien ausserdem – «obschon das Ereignis für eine Frau doch so prägend ist» – detailarm.

Selbst wenn es zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin zu einem Streit gekommen sei, gebe es keinen eindeutigen Beweis dafür, dass die Fehlgeburt eine kausale Folge der Auseinandersetzung gewesen sei, hielt die Juristin fest. «Gut 30 Prozent aller Schwangerschaften enden in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen in einem Abort.» Auch für einen weiteren Vorfall, bei dem der Beschuldigte seine Ex-Frau so lange gewürgt haben solle, dass eine Lebensgefahr bestanden habe, fehlten die Beweise. Die Verteidigerin forderte, ihr Mandant sei freizusprechen, und der ausgesprochene Landesverweis sei zurückzuziehen.

Die Freiheitsstrafe ist bereits verbüsst

Das Obergericht folgte den Forderungen der Verteidigung allerdings nur in Teilpunkten. So sprach es den Beschuldigten etwa vom Vorwurf der Gefährdung des Lebens sowie vom Vorwurf der Nötigung frei. Verurteilt wird der Mann hingegen wegen einfacher Körperverletzung, der mehrfachen Tätlichkeit sowie des untauglichen Versuchs eines strafbaren Schwangerschaftsabbruchs. Das Gericht geht demnach davon aus, dass der Mann seiner damaligen Frau zwar mehrere Faustschläge in den Bauch verpasst hat, dass diese aber nicht ursächlich für die danach erlittene Fehlgeburt gewesen sind.

Der junge Italiener wird vom Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten verurteilt, wovon 18 Monate zugunsten einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben werden. Der Mann hat zudem eine Busse von 1000 Franken und eine Genugtuung von 5000 Franken zu zahlen. Weil der Mann 742 Tage in Untersuchungshaft respektive im vorzeitigen Strafvollzug verbracht hat, ist die Freiheitsstrafe bereits vollständig erstanden. Um einen Landesverweis für die Dauer von fünf Jahren kommt der 25-Jährige allerdings nicht herum.

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