Züri-Fäscht

Nicht einmal das schlechte Wetter konnte die ausgelassene Stimmung verderben

Das schlechte Wetter machte dem Züri-Fäscht am Samstagnachmittag einen Strich durch die Rechnung. Die wenigen Besucher liessen sich dennoch nicht entmutigen und erfreuten sich am festlichen Angebot. Erst gegen Abend füllte sich das Festgelände zusehends.

Auf einen Schlag wird es dunkel auf dem Festgelände. Das Züri-Fäscht steuert an diesesm Samstagabend auf seinen ersten Höhepunkt zu. Es ist kurz vor halb Elf. Das Feuerwerk über dem See steht an. Mittlerweile ist das Festareal in der Innenstadt gut besucht. Die Stimmung der Besucher hellt auf, die Schlangen vor den Essständen und Chilbibahnen werden länger. Und man erblickt die Ersten, die es mit dem Bierkonsum etwas zu gut gemeint haben. Die Stimmung ist dennoch friedlich. Nun geht es los. Smartphones werden gezückt, um die Farbexplosionen am Himmel festzuhalten. Sie rufen geteilte Meinungen hervor. Verschiedene Kommentare sind aus der Menge zu hören. Während die einen mit einem «wow, so gut» dem Feuerwerk wohlwollend gestimmt sind, hört man auch kritische Stimmen: «Weisst du, was das gekostet hat und jetzt geht alles in die Luft.»

Nach dem Feuerwerk bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Das Penaltyschiessen zwischen Italien und Deutschland an der Fussball-EM in Frankreich steht an. Eine Gruppe von Gymischülern blickt gemeinsam auf einen Smartphonebildschirm, nur um immer wieder in Jubel auszubrechen. «Ich finde das Fest super, aber es ist ziemlich hart für das Portemonnaie», sagt Julien und blickt wieder auf den Bildschirm. Auf dem Kopf trägt er blinkende Hasenohren.

Züri Fäscht von oben: Besucher bleiben wegen Regen weg

Züri Fäscht von oben: Besucher bleiben wegen Regen weg

Der zweite Tag des Züri Fäschts ist trüb und verregnet. Die Flugaufnahmen am späten Nachmittag zeigen: Es sind deutlich weniger Besucher gekommen als erwartet.

Von dieser ausgelassenen Stimmung ist am Nachmittag noch wenig zu spüren. «Willkommen am Züri-Fäscht, dem grössten Volksfest der Schweiz»; dröhnt es aus den Lautsprechern. Die Durchsage vermischt sich mit der Musik, die aus allen Richtungen die Ankommenden beschallt. Von Latinomusik, traditionellem Jazz bis hin zu Techno ist jeder erdenkliche Stil vertreten. Meist richtet sich die Musik nach dem kulinarischen Angebot. Doch noch gibt es zu wenig Ohren zu beschallen und Bäuche zu füllen, denn das Festgelände ist noch beinahe leer. Der Regen hat dem Züri-Fäscht vorläufig einen Strich durch die Rechnung gemacht. Diejenigen, die sich ausgerüstet mit Schirm und Regenjacke dennoch auf die Strasse wagen, lassen sich die Laune nicht verderben. Sie schlendern über das noch leere General-Guisan-Quai. Vor den Chilbibahnen hat es derzeit keine Schlangen, auch vor den Toiletten muss man nicht anstehen.

Stadtmusik goes Techno

Stadtmusik goes Techno

Auf einem Lovemobile läuten 50 Stadtmusikanten zusammen mit einem House-DJ den Grossanlass musikalisch innovativ ein.

Kunst aus dem Tram

Über den Köpfen der Besucher startet derweil eine Flugshow. Neun Schweizer Pilatus Flugzeuge vollführen mit einem Edelweiss Airbus Kunststücke über dem See. Am Seebecken haben sich die wenigen Besucher versammelt. Die Smartphones in den Himmel gerichtet, verfolgen sie das Luftspektakel auf diesen Bildschirmen. Immer wieder verschwinden die Flugzeuge am Horizont, nur um dann von Neuem wieder aufzutauchen.

Neun Schweizer Pilatus Flugzeuge vollführen mit einem Edelweiss Airbus Kunststücke über dem See.

Neun Schweizer Pilatus Flugzeuge vollführen mit einem Edelweiss Airbus Kunststücke über dem See.

Ein paar Schritte weiter, vor einem Stand beim Kongresshaus auf dem General-Guisan-Quai, hat sich eine Menschenmenge angesammelt. Eine Versteigerung läuft. Feilgeboten werden Gegenstände, die in der in öffentlichen Verkehrsmitteln liegengelassen wurden. Von Schirmen bis zu iPhones ist alles zu haben. Doch nicht nur Nutzgegenstände, auch Kunstgegenstände lassen die Leute in Bus oder Tram zurück. Neben dem Fundsachenstand machen drei junge Leute Werbung für ihr Projekt «Fundkunst». «Von Skizzen bis zu Gemälden, es ist unglaublich, was da alles zusammenkommt», sagt Joel Spiegelberg, Kunstgeschichtestudent aus Zürich. Zusammen mit Freunden hat er «Fundkunst» gegründet. Das Projekt strebt eine Ausstellung im nächsten Jahr an, an welcher die besitzlosen Kunstwerke gezeigt werden sollen.

Züri Fäscht: Highlights und Zahlen

Züri Fäscht: Highlights und Zahlen

Speis, Trank und Programm: Diese Superlativen erwarten das Millionenpublikum an der grössten Veranstaltung der Schweiz.

Zufriedene Gesichter

Das EM-Spiel ist mittlerweile entschieden. Es geht auf Mitternacht zu. Immer wieder meldet sich nun auch die Züri-Fäscht-App. Entweder fordert sie dazu auf, sich mit dem kostenlosen WLAN zu verbinden, oder sie warnt vor grossen Menschenansammlungen. Trotz der Weitläufigkeit des Geländes, kommt es nämlich immer wieder zu grösserem Gedränge. «Mir gefällt der Abend, aber es ist schon etwas sehr beinlastig», sagt Nephi Savvidis. Etwas mehr Loungebereiche hätte er sich gewünscht. Konsumiert wird dennoch genug, vor praktisch jedem Feststand muss man eine Weile anstehen, bevor man bestellen kann. «Die Leute sind nett und es herrscht super Stimmung», sagt Barmitarbeiter Martin vom Buffet Bellevue. Der Abend habe mehr Gäste gebracht, man sei zufrieden.

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