Durgol
Not macht erfinderisch: Maria Düring putzte Toiletten potenzieller Kunden

Maria Düring war mit den Entkalkern, die es in den 1950er-Jahren gab, unzufrieden. Deshalb entwickelte sie kurzerhand selber ein Mittel, das weltberühmt wurde.

Lina Giusto
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Maria Düring füllt mit der von ihrem Sohn konzipierten Abfüllanlage Durgolflaschen ab. Das Datum der Aufnahme ist unbekannt.

Maria Düring füllt mit der von ihrem Sohn konzipierten Abfüllanlage Durgolflaschen ab. Das Datum der Aufnahme ist unbekannt.

Düring AG

Getreu der Redensart wurde Drogisten-Gattin Maria Düring in ihrer Not erfinderisch, denn die Toilette in ihrem Zürcher Wohnhaus am Bucheggplatz war verkalkt. Das war 1951. Während sie im Keller des Hauses mit diversen Chemikalien hantierte, hatte Düring wohl weniger im Sinne, den Grundstein für eine schweiz- und weltweit bekannte Marke zu setzen. Doch genau das tat sie zusammen mit ihrem Mann Walter Düring in den folgenden Jahren. Damals existierten bereits unterschiedliche Entkalker. Dürings Ziel aber war, eine Mixtur zu schaffen, die effektiv und wohlriechend war. Mit der Erfindung von Durgol lieferten die Dürings den Startschuss für eine wahre Erfolgsgeschichte.

Mittlerweile gibt es Durgol-Entkalker für das Bad, die Küche, Kaffeemaschinen, den Dampfgarer und Dampfbügelgeräte. Das Mittel von Maria Düring existiert in beinahe unveränderter Rezeptur noch heute als Durgol Forte.

Heutiger Verwaltungsratspräsident Heinz Düring mit der berühmten WC-Ente.

Heutiger Verwaltungsratspräsident Heinz Düring mit der berühmten WC-Ente.

KEY

Seit zwei Jahren führt der Familienbetrieb mit Sitz im Furttaler Dällikon auch einen ökologischen Entkalker, der gemäss OECD «gut biologisch abbaubar» ist. Jährlich werden im Kanton Zürich 10 Millionen Flaschen abgefüllt und in die Welt versandt. In der Schweiz besitzt der Betrieb, der mit Heinz Düring und zwei weiteren Geschwistern in der dritten Generation geführt wird, einen 30-prozentigen Marktanteil und beschäftigt knapp 40 Angestellte.

Mit Pioniergeist zum Welterfolg

Beinahe wäre die Entwicklung von Maria Düring aber noch in ihren Kinderschuhen gestorben. Wie die Autorin Fee Anabelle Riebeling im Buch «Zürcher Pioniergeist» schreibt, schaffte es Maria Düringm ein Mittel zusammenzumischen, das den Kalk in der Toilette entfernen liess. Doch vergass sie bei der Zubereitung, welche Chemikalien sie in welcher Menge zusammengeführt hatte. Die Rettung kam durch einen Chemiker der ETH Zürich, der die Rezeptur kurzerhand analysierte.

Mit dem Auto ging Maria Düring fortan selbstständig in der ganzen Schweiz auf Verkaufstour. Wie der Firmengeschichte zu entnehmen ist, schreckte die Erfinderin auch nicht davor zurück – mit elegantem Kleid und Hut mit Schleier –, die Wirkung von Durgol effektvoll vorzuführen, indem sie gleich selber die Toiletten potenzieller Kunden reinigte.

Maria Düring in elegantem Kleid mit Hut, neben ihrem Ehemann Walter Düring.

Maria Düring in elegantem Kleid mit Hut, neben ihrem Ehemann Walter Düring.

ZVG

Im Alter von 28 Jahren stieg 1963 Sohn Walter in den Familienbetrieb ein. Er war wie sein Vater Drogist. Der junge Unternehmer hatte viel Elan. Kurz nach seinem Einstieg erfand er eine professionelle Abfüllanlage für das Entkalkungsmittel. Nur drei Jahre später entwickelte er den WC-Entkalker seiner Mutter weiter. Damals erhielt die Flasche die Entenhalsform, welche die Reinigung der Toilette unter dem Rand erleichtern sollte.

Dem Kerngeschäft treu bleiben

Aufgrund des steigenden Wachstums der Firma wandelte der Junior den Familienbetrieb zur Düring AG um. Der umtriebige Geschäftsmann optimierte fortan die Rezeptur der Kalkentfernungsmittel und brachte so etliche weitere Durgol-Versionen auf den Markt. Bis zur weltweit bekanntesten Erfindung der Toilettenreinigung – der WC-Ente – vergingen noch knapp 20 Jahre. Letztlich war es Walter Dürings Ehefrau, Vera Düring, die die neue Rezeptur des Reinigungsmittels entwickelte, das 1981 in den Verkauf ging. Durch den Lizenzvertrag der Düring AG mit dem amerikanischen Konzern SC Johnson konnte das Reinigungsmittel mit dem Entenhals in über 130 Länder exportiert werden. Dem Konzern hat der Zürcher Familienbetrieb 2008 denn auch die Markenrechte abgetreten. Über den Verkaufspreis schweigen sich die Firmeninhaber bis heute aus.

Seither konzentriert sich der 65-jährige Betrieb auf sein Kerngeschäft: die Produktion von Entkalkern. Er setzt jährlich knapp 20 Millionen Franken damit um. Zu den wichtigsten Exportmärkten der Düring AG gehören Deutschland, Österreich, Frankreich, die Beneluxländer, die USA und Isreal. Um den schweizerischen Herkunftsort noch mehr zu betonen, hat der Zürcher Familienbetrieb 2014 das Flaschenetikett um eine Bergwelt mit einem Schweizer Kreuz ergänzt.

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