Bezirksgericht Zürich

Österreicher fordert mit gefälschten Urkunden 170 Milliarden von der UBS

Gustav Jobstmann versuchte die Schweizer Grossbank UBS zur Zahlung von 170 Milliarden Franken zu bewegen. (Symbolbild)

Gustav Jobstmann versuchte die Schweizer Grossbank UBS zur Zahlung von 170 Milliarden Franken zu bewegen. (Symbolbild)

Der Österreicher Gustav Jobstmann versuchte mit gefälschten Urkunden die Schweizer Grossbank UBS zur Zahlung von 170 Milliarden Franken zu bewegen. Der Fall beschäftigt derzeit das Bezirksgericht Zürich.

Die ganze Sache tönt nach einem Märchen, einer Verschwörungstheorie oder einem Betrugsversuch. Tatsache ist: Der Österreicher Gustav Jobstmann versuchte zwischen 2011 und 2015 die Schweizer Grossbank UBS zur Zahlung von 170 Milliarden Franken zu bewegen. Bei dem Geld soll es sich um das Vermögen des ehemaligen indonesischen Diktators Sukarno (1901 bis 1970) handeln.

Jobstmann will vom angeblichen Sukarno-Erben Seno Edy Soekanto und Kabas K. den Auftrag erhalten haben, die Gelder von der UBS zurückzuholen. Um die Forderung zu belegen, reichte er zahlreiche Urkunden ein. Es stellte sich allerdings rasch heraus, dass die Urkunden gefälscht waren. In der Anklageschrift, die dieser Zeitung vorliegt, ist unter anderem von zahlreichen Schreibfehlern die Rede. Statt «Zug» stand da beispielsweise «Zugh»; «Paradeplate» statt «Paradeplatz» oder «Schweizerische Natiuonal Bank» statt «Schweizerische Nationalbank».

Ferner waren sämtliche Unterschriften von Sukarno gefälscht, ebenso alle Stempel und Unterschriften, die angeblich von Schweizer Behörden oder Beamten stammen sollen. «Die Forensiker haben festgestellt, dass ein Typenrad, das bei einigen Dokumenten verwendet wurde, im Todesjahr von Diktator Sukarno gar noch nicht in Gebrauch war», sagte der zuständige Zürcher Staatsanwalt Marc Jean-Richard-dit-Bressel auf Anfrage.

Wie der Anklageschrift zu entnehmen ist, verfolgte Jobstmann trotz des Befundes sein Ziel unbeirrt weiter. Er leitete über die Jahre mehrere Betreibungen gegen die UBS und dann auch gegen die Credit Suisse ein.

Haft zeigte keine Wirkung

Auch nach Urteilen des Zürcher Obergerichts und des Bundesgerichts, sowie zweieinhalb Monaten Untersuchungshaft, die er 2014 im Gefängnis Dielsdorf verbrachte, blieb Jobstmann hartnäckig. Anfangs 2015 reichte er erneut zahlreiche gefälschte Urkunden ein.

Am 17. Januar muss sich der Österreicher nun vor dem Zürcher Bezirksgericht wegen Urkundenfälschung verantworten. Dabei ist es laut Staatsanwalt nicht nötig, dass Jobstmann die Urkunden selber gefälscht hat. Es reicht, wenn er die Fälschungen wissentlich verwendete, um Schaden anzurichten.

Dass Jobstmann von allem Anfang um die Fälschungen wusste, steht für die Staatsanwaltschaft ausser Zweifel. Neben den Schreibfehlern in den Urkunden erwähnt der Staatsanwalt die «vollkommen unglaubhafte Geschichte», mit der Kabas K. an Jobstmann herangetreten sei. Weshalb solle der angebliche Milliardenerbe Soekanto sein Vermögen zur Hälfte auf Kabas K. übertragen? Es leuchte auch nicht ein, weshalb die UBS plötzlich das Guthaben eines ihrer grössten Kunden bestreiten sollte. Schliesslich seien auch keinerlei Kontoauszüge oder Basisdokumente zu Konten vorhanden.

Unklar ist, ob der Beschuldigte an der Verhandlung teilnehmen wird. Klarheit herrscht hingegen, was den Geisteszustand des Österreichers angeht: Laut Staatsanwalt belegt ein Gutachten, dass Jobstmann zurechnungsfähig ist.

Wollte Bundespräsident werden

Der inzwischen 62-jährige ehemalige Schiffskapitän bezeichnet sich selber als Unternehmensberater, Mediator und Menschenrechtsaktivist. In den vergangenen Jahren hat er es immer wieder in die Schlagzeilen geschafft. Jobstmann behauptete, der kongolesische Ex-Präsident Laurent Kabila habe zu seinen Mandanten gehört. In dessen Auftrag habe er Konten von Mobutu schliessen und Immobilien des Diktators beschlagnahmen lassen.

2016 wollte Jobstmann als parteiunabhängiger Kandidat für das österreichische Bundespräsidium kandidieren. Es gelang ihm allerdings nicht, die für die Kandidatur nötigen 6000 Unterschriften zu sammeln.

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