Pro & Contra
Abstimmung über Elternzeit: «Gleichstellung ist wichtig» oder «die linken Parteien wollen uns bevormunden»

Am 15. Mai entscheiden die Stimmberechtigten des Kantons Zürich über die Einführung einer bezahlten Elternzeit. Väter und Mütter hätten damit nach der Geburt eines Kindes je 18 Wochen frei; falls sie im Kanton Zürich arbeiten aber nicht dort wohnen, wären es 14 Wochen – jeweils bezahlt über Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge von allen.

Rosmarie Joss* und André Müller*
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SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss (Dietikon) und FDP-Kantonsrat André Müller (Uitikon).

SP-Kantonsrätin Rosmarie Joss (Dietikon) und FDP-Kantonsrat André Müller (Uitikon).

zvg

PRO: Rosmarie Joss: Es ist Elternzeit

Gleichstellung ist wichtig. Wichtig für die Individuen, aber auch wichtig für die Gesellschaft. Mit dem ersten Kind kommt die Gleichstellung schnell ins Wanken. Während ein Kind auf die Erwerbstätigkeit der Männer kaum Einfluss hat, ist dieser bei Frauen immens. Vor der Geburt des ersten Kindes sind 88,6 Prozent der Frauen erwerbstätig, nach dem zweiten Kind sind es noch 61,4 Prozent. Dies führt dazu, dass Frauen egal, ob sie Kinder bekommen oder wie das Paar die Erwerbs- und Betreuungsarbeit aufteilt, in der Arbeitswelt benachteiligt sind. Im Einstellungsprozess ist es von Nachteil, eine Frau im gebärfähigen Alter zu sein. Denn das Ausfallrisiko ist heute einseitig bei der Frau. Gerade Berufe mit hohem Frauenanteil leiden darunter, dass die Erwerbsreduktion einseitig bei den Frauen stattfindet. Bei keinem Mann würde angenommen, dass er wegen der anstehenden Elternschaft seine Erwerbsarbeit einstellt. Bei Frauen schon, was die beruflichen Chancen markant hemmt.

Klar: Kinder bekommen hat physiologische Unterschiede – so sind nun mal nur Frauen schwanger; aber es gibt auch sehr viele strukturelle. Diese beginnen gleich am Start des Elternseins. Väter werden heute mit nur zwei Wochen Vaterschaftsurlaub um die Chance gebracht von Anfang an voll dabei zu sein. Ein Rückstand, der schwer aufzuholen ist.

Gerne wird gesagt, dass die Einführung einer Elternzeit den Unternehmen obliege. Google oder Ikea kennen beispielsweise bereits eine ausgedehnte Vaterzeit. Gerade für kleinere Unternehmen ist aber die freiwillige Gewährung einer Elternzeit wesentlich schwieriger finanzierbar und somit ein Wettbewerbsnachteil. Mehr Vaterzeit bedeutet mehr Frauen im Beruf und somit lohnt sich die Elternzeit für den Staat auch finanziell. Erhöht sich die Erwerbstätigkeit der Frauen nur um ein Prozent, so ist eine 18-wöchige Elternzeit für beide bereits durch die höheren Steuereinnahmen finanziert.

Der Kanton Zürich hat nun die Möglichkeit eine Vorreiterrolle einzunehmen. Denn es ist dazu höchste Zeit! Denn es ist Elternzeit!

*Rosmarie Joss ist SP-Kantonsrätin. Die zweifache Mutter wohnt in Dietikon.

CONTRA: André Müller: Zeigen Sie Eigenverantwortung

Liebe Eltern,

die linken Parteien wollen uns wieder Mal bevormunden und uns ein «Geschenk» machen, das wir a) nicht wollen und b) für das wir auch noch selbst bezahlen sollen!

Ich stehe für Gleichberechtigung und lebe diese mit meiner Familie seit Jahren vor. Meine Frau und ich arbeiten beide 100 Prozent und teilen uns die Familienarbeit seit der Geburt unserer zwei Kinder. Ich stehe aber auch ein für Eigenverantwortung und Kostengerechtigkeit. Ich als Vater will keinen von der Allgemeinheit bezahlten Vaterschaftsurlaub. Ich habe bei der Geburt meines ersten Kindes ein zweimonatiges Sabbatical genommen. Die Allgemeinheit für meine Familienfreuden bezahlen zu lassen, erachte ich als äusserst ungerecht.

Die folgenden vier Gründe sprechen daher klar gegen die unverhältnismässige Initiative «für ein Elternzeit-Gesetz»:

  1. Die Vorlage verstösst gegen Bundesrecht: Die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs für Personen mit privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen liegt einzig beim Bund. Die Kantone haben hier keine Regulierungsbefugnis.
  2. Eine weitere Steuerbelastung des Faktors Arbeit: Alle im Kanton Zürich angestellten Personen werden mit zusätzlichen Lohnabzügen belastet. Dies macht vor allem niederschwellige Arbeit unattraktiv, also Arbeitnehmer, die heute schon Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben.
  3. Immense Kosten von über zwei Milliarden Franken: Die Initiative verursacht direkte Kosten von 423 Millionen Franken. Die Verlängerung des Mutter- und Vaterschaftsurlaubs verursacht aber zusätzliche Abwesenheiten von 340'000 Wochen, das entspricht über 7500 Vollzeitstellen! Dadurch entstehen weitere indirekte Kosten von bis zu 1,6 Milliarden Franken pro Jahr.
  4. Die kleinen und mittleren Unternehmen werden hart getroffen: Für sie sind zusätzliche Abwesenheiten eine riesige organisatorische und finanzielle Herausforderung, da sie die Ausfälle nicht über eine grosse Anzahl Mitarbeiter verteilen können.

Liebe Eltern, tun Sie es wie meine Frau und ich, zeigen Sie Eigenverantwortung und lehnen Sie diese Initiative wuchtig ab.

*André Müller ist FDP-Kantonsrat. Der zweifache Vater wohnt in Uitikon.

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