Tierschutz
Der Zoo Zürich setzt sich nun noch mehr für Artenschutz ein: Anlass war die Ankunft neuer Habichtskäuze

Drei Habichtskäuze sind nun in den Zoo Zürich eingezogen. Die in den nächsten Jahren erhofften Jungtiere sollen an einem Auswilderungsprojekt in Österreich teilnehmen. So will der Zoo die natürlichen Populationen stärken.

Laura Drott
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Der Vogel der Nacht: Die Federn sind samtig und fein, die Ränder der Handfedern ausgefranst.

Katja Jeggli / Tele Züri

Der Zoo Zürich hat drei neue Habichtskäuze zur Tierfamilie dazu gewonnen. Das bietet dem Team rund um den Zoodirektor Severin Dressen die Möglichkeit, sich noch stärker für den Artenschutz einzusetzen und ein neues Projekt zu unterstützen. Denn künftig sollen die Jungtiere der Uralkäuze an einem Auswilderungsprojekt in Österreich teilnehmen, wie der Zoo in einer Mitteilung schreibt.

Die Käuze können eine Flügelspannbreite bis zu 1,25 Meter erreichen.

Die Käuze können eine Flügelspannbreite bis zu 1,25 Meter erreichen.

Zoo Zürich, Enzo Franchini

Er ist ein Paradebeispiel für viele Eulenarten: Der Habichtskauz ist ein Vogel der Nacht und durch sein Verhalten, seine Anatomie und Biologie an die Dunkelheit angepasst. Dieses Leben in der Nacht hat den Käuzen viele Vorteile eingebracht, so haben sie durch die verschobenen Aktivitätsphasen keine Nahrungskonkurrenz mehr. Auch ihre Ohren haben sich adaptiert. Die asymmetrischen Ohröffnungen und der Gesichtsschleier verleihen den Habichtskäuzen ein erstaunliches Hörvermögen.

Der Habichtskauz

Habichtskäuze, auch genannt Uralkauz oder Strix Uralensis, sind ursprünglich heimisch im borealen Nadelwald und gehören zur Familie der Eigentlichen Eulen. Aktuell gibt es weltweit noch ca. 8 Millionen Individuen dieser Tierart, insbesondere von Nordeuropa über Russland bis hin nach Japan. Sie sind standorttreue Tiere und fühlen sich in der Dämmerung sowie nachts allgemein am wohlsten. Die Männchen können bis zu 1 Kilogramm auf die Waage bringen, die Weibchen hingegen mit 1,3 Kilogramm sogar etwas mehr. Ihre Grösse schwankt zwischen 50 und 58 Zentimeter, wobei sie eine Flügelspannbreite bis zu 125 Zentimeter haben können. Die Nester der Habichtkäuze findet man vor allem in Mulden auf verrotteten Baumstümpfen oder auch in verlassenen Greifvogel- oder Schwarzstorchhorsten. Die Weibchen bebrüten die zwei bis vier Eier des Geleges während 28 bis 35 Tagen. Im Zoo Zürich findet man die Käuze bereits seit 1986.

Dank Schutzprojekt vermehren sich die lautlosen Jäger wieder in der Natur

Die grossen Eulen sind in der Lage, ihren Kopf um 270 Grad zu verdrehen. Eine Lokalisierung ihrer Beute fällt ihnen dadurch sehr leicht. Diese Eigenschaft, ihr ausgeprägter Hörsinn und ein lautloser Flug ermöglichen den Käuzen, ihre Beute während sogenannten Pirschflügen unbemerkt einzufangen. Populationen findet man ursprünglich von Nordeuropa bis Asien – heute aber nicht mehr überall.

Habichtskäuze pirschen um ihre Beute bevor sie zuschlagen.

Habichtskäuze pirschen um ihre Beute bevor sie zuschlagen.

Zoo Zürich, Enzo Franchini

In Österreich und Deutschland sind sie Mitte des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Daher sollen die erhofften Jungtiere zur Auswilderung nach Österreich abgegeben werden, um das langfristige Überleben der Tierart zu sichern. Seit 2009 wird dort versucht, eine stabile Population zu etablieren. Im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet Dürrenstein konnten auch bereits 482 Vögel in die Freiheit entlassen werden. Unter dessen warten noch 49 Brutpaare in 32 Zoos auf dieses Ereignis.

Das Verbreitungsgebiet der Habichtskäuze zieht sich eigentlich von Nordeuropa über Russland nach Asien.

Das Verbreitungsgebiet der Habichtskäuze zieht sich eigentlich von Nordeuropa über Russland nach Asien.

IUCN

Auch Naturbruten sind heutzutage im Rahmen des Projektes wieder zu beobachten. Die Population scheint sich weiter zu erholen. 2017 konnte man bereits 18 neue Paare nachweisen. Antreffen kann man den Vogel in seinem natürlichen Lebensraum – den Wäldern.

Viele Schutzprojekte und Ankündigungen halten Besuchende auf Trab

Erst kürzlich kündigte der Zoo Zürich mit seinem Entwicklungsplan 2050 Grosses an: Eine neue Pantanal-Voliere, eine Meeresküste, einen Sumatra-Regenwald mit Orang-Utans und die Regenwald-Lichtung «Kongo». Die Besucherinnen und Besucher sollen sich bald nicht nur mit Pinguinen unter Wasser und mit Affen in die Höhe begeben, sondern sich auch in einem neuen Naturschutzzentrum weiterbilden können. Die internationalen Schutzprojekte des Zoos sollen hier zur Geltung kommen und den Tierliebenden näher gebracht werden. Einige dieser angekündigten Projekte können bereits ab 2025 bestaunt werden.

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