Unispital Zürich
Verfahren gegen Herzchirurgen ist eingestellt worden

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat das Verfahren wegen Urkundenfälschung gegen den ehemaligen Leiter der Herzklinik am Unispital Zürich, Francesco Maisano, eingestellt. Der Vorwurf hat sich nicht bestätigt, wie der «Sonntagsblick» schreibt.

liz
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15 von 17 Vorfälle, die Francesco Maisano vorgeworfen wurden, haben sich nicht bestätigt.

15 von 17 Vorfälle, die Francesco Maisano vorgeworfen wurden, haben sich nicht bestätigt.

Ennio Leanza / Limmattaler Zeitung

Das Unispital Zürich hatte am 4. August 2020 Strafanzeige gegen Maisano eingereicht. Es warf ihm vor, Urkunden gefälscht und Daten beschädigt zu haben. So soll Maisano während der Untersuchung seines Falls durch die Kanzlei Walder Wyss trotz damaliger Beurlaubung auf das interne Krankenhausinformationssystem zugegriffen und Akten manipuliert haben. Die Staatsanwaltschaft kommt nun aber zum Schluss, dass der Herzchirurg auf das System zugegriffen habe, um seine Stellungnahme gegenüber Walder Wyss vorzubereiten. Es habe sich um ein von der Kanzlei angefordertes Dokument gehandelt. Folgerichtig ist das Verfahren eingestellt worden. Beim Unispital verteidigt man das Vorgehen mit der Begründung, dass man gesetzlich verpflichtet sei, strafbare Handlungen anzuzeigen, wenn ein hinreichender Anfangsverdacht bestehe.

Die Kanzlei Walder Wyss hatte die Vorgänge an der Herzklinik im Auftrag des Universitätsspitals untersucht. Vor einem Jahr erhob ein Whistleblower via Tamedia-Zeitungen massive Vorwürfe gegen Maisano. Dieser soll Artikel beschönigt, Interessenkonflikte verschwiegen, gegenüber Behörden falsche Angaben gemacht und Patienten gefährdet haben. Bei Operationen soll er Implantate von Firmen eingesetzt haben, an denen er selbst beteiligt war – ohne dies transparent zu machen. Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe. Sowohl Maisano als auch der Whistleblower sind nicht mehr fürs Universitätsspital tätig.

Die Kanzlei Walder Wyss ging in ihrem Bericht 17 schwerwiegenden Vorfällen nach. 15 davon hätten sich nicht bestätigt, schreibt nun der «Sonntagsblick». Unter anderem habe sich «nicht bestätigt», dass Maisano Implantate «aus Eigeninteresse und/oder gegen die Interessen der Patienten» eingesetzt habe. Auch eine erhöhte Sterblichkeit in der Herzchirurgie unter Maisanos Leitung habe nicht festgestellt werden können. Die beiden Punkte, in denen Maisano Fehler begangen hat, beziehen sich nicht auf die Arbeit im Operationssaal. So sind Patientendokumentationen «häufig unvollständig und teils unrichtig». Ausserdem bestätigte sich der Vorwurf, dass «Publikationen teilweise inhaltlich unvollständig bzw. unrichtig und bestehende Interessenkonflikte […] nicht ersichtlich waren». Hinweise, dass Maisano durch sein Verhalten Patienten gefährdet hat, fand die Kanzlei keine.

Abgeschlossen ist die Angelegenheit damit noch nicht. Eine Abklärung über die wissenschaftliche Lauterkeit Maisanos sowie die politische Aufarbeitung durch den Zürcher Kantonsrat sind noch hängig.

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