Stadt Zürich
Rot-Grün behält knapp die Oberhand im Zürcher Gemeinderat

Im Zürcher Stadtparlament haben SP, Grüne und AL noch 63 von 125 Sitzen. Am meisten verloren hat die SP. Die Mitte feiert ein Comeback.

Matthias Scharrer
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Nach vier Jahren mit klarer absoluter Mehrheit von SP, Grünen und AL werden die Mehrheitsverhältnisse im Zürcher Gemeinderat künftig knapper: Die drei linken Parteien haben neu nur noch 63 von 125 Sitzen. Dafür ist das politische Zentrum gestärkt: Die Mitte, deren Vorgängerpartei CVP 2018 ausschied, ist wieder drin – mit sechs Gemeinderatssitzen. Auch die GLP legte zu, während die EVP, die vor vier Jahren noch zusammen mit der BDP antrat, von vier auf drei Sitze schrumpft. Mitte-Wahlkampfleiter Markus Hungerbühler meinte, die Bevölkerung habe die klare Vormachtstellung der Linken seit 2018 wohl nicht so geschätzt.

SP büsst am meisten Parlamentssitze ein

Am meisten Einbussen erlitt die SP, die aber klar stärkste Partei bleibt: Ihre Sitzzahl sinkt von 43 auf 37. Auch die links der SP positionierte AL muss zwei Sitze abgeben. Neu hat sie acht Gemeinderatssitze.

Am anderen Ende des politischen Spektrums sitzt der zweite grosse Verlierer, die SVP: Ihre Vertretung schrumpft nach der Schlappe von 2018 nun nochmals, und zwar von 17 auf 14 Sitze. «Jetzt heisst es, die Flinte nicht ins Korn werfen», sagte SVP-Stadtparteipräsident Mauro Tuena. Für die SVP gelte es, die Oppositionspolitik weiterzuführen.

Gewinner der Parlamentswahl sind neben der Mitte auch die GLP, die Grünen und die FDP. Letztere ist mit nunmehr 22 Sitzen (2018: 21) weiterhin zweitstärkste Partei im Stadtparlament. Die GLP steigerte sich von 14 auf 17 Sitze, die Grünen von 16 auf 18.

Massnahmenkritiker bleiben draussen

Alle anderen Parteien scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Nur wer in mindestens einem der neun Stadtzürcher Wahlkreise mindestens fünf Prozent der Stimmen erreicht, kommt ins Parlament. Als zu hoch erwies sich diese Hürde unter anderem für die erstmals antretenden Corona-Massnahmengegner der Freien Liste Züri. Sie kam gesamtstädtisch auf einen Wählerinnen- und Wähleranteil von 1,4 Prozent. Ihr bestes Ergebnis erreichte sie im Wahlkreis 7+8 mit 2,4 Prozent.

Fazit: Die rot-grüne Mehrheit dürfte im Zürcher Gemeinderat auch in den nächsten vier Jahren den Ton angeben. Aber nicht mehr derart dominant wie in den letzten vier Jahren. Das rot-grüne Zürich wird etwas weniger rot, dafür grüner und mittiger.

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