Zoo Zürich
Manche Tiere wechseln das Geschlecht: Umweltfaktoren wirken auf Fische und Reptilien

Einige Fischarten wechseln ihr biologisches Geschlecht im Verlauf des Lebens. Denn dieses ist nicht immer durch die Gene bestimmt. Auch Umweltfaktoren können Einfluss nehmen.

Laura Drott
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Das biologische Geschlecht ist bei einigen Tierarten nicht durch die Gene vorbestimmt. Das heisst, es wird nicht anhand der XX- und XY-Chromosomen festgelegt. Insbesondere bei Fischen und Reptilien ist das Geschlecht flexibler. Umweltfaktoren wie das Sozialsystem oder die Bruttemperatur bei Krokodilen und Schildkröten können auf das Geschlecht Einfluss nehmen. Einige Fischarten sind sogar in der Lage im Laufe des Lebens das Geschlecht zu wechseln.

Das Geschlecht der Galapagos-Riesenschildkröte wird durch die Bruttemperatur bestimmt.
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Auch bei den Aldabra-Riesenschildkröten ist das Geschlecht nicht in den Genen festgelegt.
Der Breitschnauzenkaiman fällt unter die Reptilien, bei jenen das Geschlecht flexibler ist.
Das Sozialsystem nimmt Einfluss in den Wandel des Geschlechtes, so bei den Putzerlippfischen.
Männliche falsche Clown-Anemonenfische können zu Weibchen werden, denn in einer Gruppe existiert immer nur ein Weibchen. Wenn dieses stirbt, rückt das grösste Männchen nach.
Bei den Sechsstreifen-Lippfisch können Weibchen im Verlauf des Lebens zu Männchen werden.
Auch bei den Flammen-Fahnenbarschen ist dies so: Oft ist der Grössenvorteil hier besonders wichtig.

Das Geschlecht der Galapagos-Riesenschildkröte wird durch die Bruttemperatur bestimmt.

Zoo Zürich/ Enzo Franchini

Diese Zweigeschlechtigkeit, der Hermaphroditismus, ist bei den Knochenfischen in bisher 27 Familien mit unzähligen Arten zu bemerken. Die Eigenschaft ist unter der Fischart weit verbreitet. Während der Umwandlung verändert sich das Verhalten der Fische sowie Aussehen und Anatomie. Der Prozess ist innert weniger Tage oder Wochen komplett abgeschlossen.

Die Richtung des Wechsels ist vor allem von der Sozialstruktur des Fisches abhängig. Bisher erklärt die Wissenschaft den Wandel mit dem Grössenvorteil. In manchen Situationen ist es für das Tier besser, kleiner oder grösser zu sein.

Wenn Weibchen zu Männchen und Männchen zu Weibchen werden

Bei den Fahnenbarschen beanspruchen vor allem dominante und aggressive Männchen Reviere und kleinere sind von der Fortpflanzung ausgeschlossen. Daher ist der Wechsel von Weibchen zu Männchen sinnvoll. Diejenigen Tiere, die ihr Leben als Weibchen beginnen, pflanzen sich fort bis das dominante Männchen stirbt. Dann wandeln sich die Weibchen um und übernehmen die Rolle des Männchen.

Es gibt jedoch auch umgekehrte Beispiele: Der monogame Clownfisch. Das Weibchen ist hier tendenziell grösser, da es dadurch mehr Eier legen kann. Das grösste Mitglied der Gruppe ist zudem ein Weibchen und das zweitgrösste ein dominantes Männchen. Alle anderen haben ausschliesslich das männliche Geschlecht. Wenn das Weibchen stirbt, übernimmt ihr Partner ihre Rolle. Das grösste verbleibende Männchen rückt dann nach.

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