Zürich
Bundesgericht schmettert Beschwerde ab: Das Rayonverbot wird nicht gelockert

Ein GC-Hooligan wehrte sich gegen polizeiliche Auflagen. Nun blitzte er vor dem Bundesgericht ab.

Michel Wenzler
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Erst ein Polizeieinsatz brachte wieder Ruhe ins Stadion: Das Spiel vom 12. Mai 2019 zwischen dem FC Luzern und GC musste abgebrochen werden. (Archivbild)

Erst ein Polizeieinsatz brachte wieder Ruhe ins Stadion: Das Spiel vom 12. Mai 2019 zwischen dem FC Luzern und GC musste abgebrochen werden. (Archivbild)

Keystone

Das Spiel war bereits verloren, Luzern führte seit der 66. Minute mit 4:0 – und der Abstieg von GC aus der Super League stand bevor. Das war zu viel für eine Gruppe hartgesottener GC-Fans. Sie kletterte über die Abschrankungen in der Swissporarena und stürmte aufs Feld. Die Partie vom 12. Mai 2019 wurde abgebrochen, sie sollte als «Skandalspiel von Luzern» in die Sportgeschichte eingehen.

Die GC-Hooligans forderten von der eigenen Mannschaft die Trikots ein, derer sie aus ihrer Sicht nicht würdig waren. Mindestens einer der Hooligans hat die Gerichte bis heute beschäftigt, wie ein nun publiziertes Urteil des Bundesgerichts zeigt.

Der bereits vorbestrafte Mann soll damit gedroht haben, zusammen mit anderen Fans die Katakomben des Stadions zu stürmen und dort die Leibchen zu holen, falls die Spieler die Trikots nicht schon auf dem Rasen hergeben würden. Oder aber er würde sie zu Hause aufsuchen, und dann setze es dort auch der Familie etwas ab.

Dem Mann wurde eine Meldepflicht auferlegt

Die Kantonspolizei eröffnete daraufhin ein Strafverfahren gegen den Rowdy, über dessen Ausgang in der Öffentlichkeit nichts bekannt ist. Und es kam das Hooligan-Konkordat ins Spiel. Dieses ermöglichte es, dem GC-Anhänger ein Rayonverbot sowie eine Meldepflicht aufzuerlegen, die bis im Oktober 2021 gelten sollen.

Der Rüpel darf sich demnach während vier Stunden vor und nach GC- und FCZ-Heimspielen nicht in neuralgischen Gebieten aufhalten. Dazu zählt nicht nur die Umgebung des Stadions Letzigrund selbst, sondern beispielsweise auch der Hauptbahnhof Zürich. Zudem muss sich der Mann an jenen Tagen, an denen GC im Einsatz steht, bei den Behörden melden – auch an Auswärtsspielen.

Der Betroffene wehrte sich bis vor Bundesgericht dagegen. Die Massnahmen seien ein starker Eingriff in seine persönliche Freiheit und würden ihn zu sehr einschränken. Beispielsweise könne er während der Heimspiele von GC nicht einmal einen Ausflug nach Aarau machen, da das Rayonverbot schweizweit für 142 Rayons gelte. In den Monaten vor der Coronapandemie habe er zudem gezeigt, dass er sich an das Rayonverbot halte. Wenn er wirklich vorgehabt hätte, der Mannschaft etwas anzutun, so hätte er dies auch ausserhalb dieser Rayons tun können. Das Verbot nütze deshalb gar nichts.

Laut Bundesgericht schränkt das Rayonverbot den Mann nicht ein

Das Bundesgericht sieht dies anders. Das Rayonverbot schränke den Mann nicht so sehr ein, wie dieser behaupte. Das Verbot gelte nicht für alle 142 Rayons gleichzeitig, sondern jeweils nur für jene Umgebung, in der GC und der FCZ gerade spielten.

Dass sich der Fussballfan einige Monate wohl verhalten habe, bedeute zudem nicht, dass er dies weiterhin tun werde. Das Rayonverbot könne zwar allfällige Gewalttaten nicht ausschliessen, wohl aber «das Risiko reduzieren», schreibt das Bundesgericht in seinem Urteil.

Straftat wegen YB soll ihm helfen

Nicht einer gewissen Komik entbehrt ein weiteres Argument, das der Beschwerdeführer beziehungsweise dessen Anwalt ins Feld geführt hat. Ihm auch ein Rayonverbot bei Heimspielen des FCZ aufzuerlegen, sei unverhältnismässig. Im Zusammenhang mit diesem Club habe er sich nie etwas zuschulden kommen lassen, seine bisherigen Verurteilungen im Jahr 2016 hätten vielmehr die Berner Young Boys betroffen.

Das Bundesgericht verweist jedoch darauf, dass es regelmässig zu Gewalt zwischen radikalen GC- und FCZ-Anhängern komme. Und der Fussballfan habe aus seinen früheren Verurteilungen offenbar nichts gelernt. Obwohl gegen ihn schon zweimal ein Stadionverbot und eine Meldepflicht ausgesprochen worden war, habe ihn dies nicht davon abgehalten, in Luzern erneut straffällig zu werden. Das Bundesgericht wies die Beschwerde damit in aller Deutlichkeit ab.

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