Stadt Zürich
Mit Simone Brander gewinnt die SP einen vierten Stadtratssitz: «Es war eine total positive Überraschung»

Mit einem überraschend guten Ergebnis hat es SP-Gemeinderätin Simone Brander bei den Erneuerungswahlen am Sonntag in den Zürcher Stadtrat geschafft. Im Interview spricht die 43-Jährige über die Pleite bei den Gemeinderatswahlen, ihre Ziele als Stadträtin und ihr bevorzugtes Departement.

Sven Hoti
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Herzlichen Glückwunsch zum Einzug in den Stadtrat! Vorerst aber zu etwas aus SP-Sicht weniger Positivem: Ihre Partei hat bei der Gemeinderatswahl ordentlich an Wähleranteilen verloren. Wie erklären Sie sich das?

Simone Brander: Ein Teil der Stimmen ist sicher zu den Grünen gegangen. Dann hat es durch den Wiedereinzug der Mitte und der EVP diverse Verschiebungen im Gemeinderat gegeben. Daher ist es schwierig zu sagen, ob nun inhaltliche Differenzen ausschlaggebend für unser Resultat waren oder doch andere Gründe.

Zu den Stadtratswahlen. Sie haben als Sechstbeste abgeschnitten. Haben Sie mit so einem guten Resultat gerechnet?

Nein, auf keinen Fall. In einer Umfrage im Vorfeld der Wahlen sah man mich noch auf dem achten Platz. Zusätzlich wurde vorausgesagt, dass die Plätze neun und acht hart umkämpft sein werden. Dass es nun nicht so gekommen ist, sondern ich schon beim Resultat des ersten Wahlkreises auf dem sechsten Platz landete, war eine total positive Überraschung, die mich wahnsinnig freut.

Was glauben Sie, wieso Sie entgegen aller Erwartungen so gut abgeschnitten haben?

Anscheinend konnte ich einerseits als Person punkten. Andererseits bin ich mit klaren Zielen angetreten. Für sichere Velowege, ein ambitioniertes Klimaziel und mehr bezahlbare Wohnungen. Das sind sicher Themen, welche die Stimmbevölkerung bewegten.

Der neue Zürcher Stadtrat (von links): Karin Rykart (Grüne), Andre Odermatt (SP), Daniel Leupi (Grüne), Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), Michael Baumer (FDP), Simone Brander (SP), Andreas Hauri (GLP) und Filippo Leutenegger (FDP).

Der neue Zürcher Stadtrat (von links): Karin Rykart (Grüne), Andre Odermatt (SP), Daniel Leupi (Grüne), Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), Michael Baumer (FDP), Simone Brander (SP), Andreas Hauri (GLP) und Filippo Leutenegger (FDP).

Ennio Leanza / KEYSTONE

Die SP ist jetzt mit vier Personen im neunköpfigen Stadtrat vertreten. Was glauben Sie, wie sich das auf die Stadtzürcher Politik auswirken wird?

Die Regierung ist ja nur ein Teil des politischen Systems. Der andere ist das Parlament. Und dort hatten wir die letzten dreieinhalb Jahre eine linke Mehrheit. Jetzt in der neuen Legislatur sieht es anders aus. Das ist sicher sehr entscheidend für Themen, über die wir dann diskutieren werden. Das ganze politische System wird sich wieder nach rechts bewegen.

Was wollen Sie als neue Stadträtin konkret bewirken?

Es hängt natürlich davon ab, welches Departement ich zugeteilt bekomme. Zuerst dürfen ja die bisherigen Stadträte ihr Department auswählen. Ich werde mich aber sicher für mehr bezahlbare Wohnungen, für sichere Velowege und ambitionierten Klimaschutz einsetzen. Und da kann man in jedem Departement viel bewegen, sei es beim Ersatz der fossilen Heizungen, CO2-neutraler Mobilität oder aber bei der Frage, wo die Pensionskassengelder angelegt werden sollten. Da gibt es in allen Bereichen noch viel zu tun, damit wir ein ambitioniertes Netto-Null-Emissionsziel erreichen können.

Greifen wir das Thema Departemente gleich auf: Welches würden Sie sich wünschen?

Wie gesagt, kann ich als Neue kein Departement auswählen. Von den Themen her bin ich vielleicht näher beim Tiefbau- und Entsorgungsdepartement. Aber selbstverständlich bin ich bereit, jedes Departement zu übernehmen. Das muss man ja auch sein, wenn man zu den Stadtratswahlen antritt. Ausserdem kann man in jedem Departement viel bewegen. Mir ist es auch sehr wichtig, dass die Stadtverwaltung und der Stadtrat nah an der Bevölkerung dran sind und ihre Anliegen aufnehmen, damit wir auch wirklich das machen können, was sie will.

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