Babyklappe
Zürcher Kantonsrat stellt sich hinter ein Babyfenster

Der Zürcher Regierungsrat soll sich dafür einsetzen, dass im Kanton Zürich ein Babyfenster eingerichtet wird. Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag ein Postulat der EDU mit 96 zu 70 Stimmen überwiesen.

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Seit 2001 können Eltern ihr Neugeborerenes im Babyfenster in Einsiedeln abgeben (Symbolbild)

Seit 2001 können Eltern ihr Neugeborerenes im Babyfenster in Einsiedeln abgeben (Symbolbild)

Keystone

Babyfenster seien ein äusserst sinnvolles Hilfsangebot in extremen Notsituationen, begründete Erich Vontobel (EDU, Bubikon) den Vorstoss. Ein Babyfenster ermögliche es einer Mutter, absolut anonym ihr Neugeborenes abzugeben. «Man darf mit Fug und Recht behaupten: Babyfenster retten Leben», sagte Vontobel.

Der Vorstoss war ursprünglich als Motion formuliert. Vontobel wandelte diese vor der Sitzung jedoch in ein Postulat um, das weniger verbindlich ist. Dadurch hoffte er, im Parlament mehr Unterstützung zu erhalten.

Das Vorgehen zahlte sich aus. Mit Ausnahme von SP, Grünen und Grünliberalen stimmten alle Fraktionen für die Überweisung des EDU-Postulates. Die Gegner machten insbesondere rechtliche Vorbehalte geltend. Jeder Mensch habe ein Recht auf Abstammung und Identität, sagte Barbara Bussmann (SP, Volketswil). Dieses Recht werde mit einem Babyfenster verwehrt.

Grundlagen für anonyme oder vertrauliche Geburten

Befürworter wie Gegner des Vorstosses sprachen sich dafür aus, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, damit in Spitälern vertrauliche oder anonyme Geburten möglich seien. Bei einer vertraulichen Geburt würde die Schwangere unter einem Pseudonym behandelt, ihre Daten jedoch gespeichert. Bei einer anonymen Geburt verlässt die Mutter das Spital, ohne jegliche persönliche Daten zu hinterlassen.

Derzeit prüft die Trägerin des Spitals Zollikerberg, ob in ihrem Spital ein Babyfenster eröffnet werden soll. In den Kantonen Bern und Wallis wurden entsprechende Vorstösse gutgeheissen. Im Thurgauer Kantonsparlament ist eine Motion hängig, die beim Kantonsspital Frauenfeld eine Babyklappe fordert.

Das erste Babyfenster in der Schweiz wurde 2001 in Einsiedeln eingerichtet. In der von der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind (SHMK) betriebenen Einrichtung wurden bis heute acht Neugeborene abgegeben. Weitere Babyfenster existieren in Davos GR und in Olten SO.