Denkmal

Zwingli ist wieder zurück in Zürich – und sollte «nicht nur von oben, auch von unten» betrachtet werden

Das Denkmal des Zürcher Reformator Zwingli steht nach umfassender Restaurierung wieder auf seinem Sockel vor der Wasserkirche.

Das Denkmal des Zürcher Reformator Zwingli steht nach umfassender Restaurierung wieder auf seinem Sockel vor der Wasserkirche.

Die Statue des Zürcher Reformators steht nach ihrer Sanierung wieder auf ihrem Sockel vor der Wasserkirche.

Der Granitsockel zur Bronzestatue von Reformator Huldrych Zwingli war beinahe ein Jahr verwaist. Gestern nun kehrte das Denkmal an seinen angestammten Platz zurück. Innert weniger Minuten war das 800 Kilogramm schwere Kunstwerk auf seinen Granitsockel zurückgehievt. Auf dem Weg nach oben drehte sich die Statue leise um die eigene Achse, als ob Zwingli sich vergewissern wollte, dass noch alles seine Ordnung hat im Herzen von Zürich. Bloss für die letzten paar Zentimeter vor dem Touchdown waren mehrere Anläufe nötig.

Dass Zwingli auf seinen Sockel vor der Wasserkirche gehievt werde, wenn weltweit gerade Monumente heruntergestürzt würden, passe ganz gut, sagte Kirchenrat Andrea Marco Bianca vor Medien und Schaulustigen. Die Reformierten hätten die Statue schon vor einem Jahr im Rahmen des Züri-­Fäschts heruntergeholt zu den Leuten. 3000 Menschen nutzten die Gelegenheit für ein Selfie mit dem Reformator. «Das wäre ganz im Sinne von Zwingli gewesen, dem damaligen Leutpriester des Grossmünsters, der selber die Nähe zu den Menschen gesucht hat», sagte Bianca.

Von allen Seiten betrachten

Zwingli habe Bilder und Statuen weggeräumt, die den Blick für den Glauben versperrt hätten. «Denkmäler sind dazu da, sich mit ihnen auseinanderzusetzen», sagte Bianca. Es sei wichtig, die Zwinglifigur, aber auch die Kirche von allen Seiten anzuschauen. «Nicht nur von oben, auch von unten», sagte Bianca. Weshalb es für die Statue so wichtig war, dass sie von unten betrachtet wurde, erklärte Alex Ritter, Projektleiter der Fachstelle Kunst und Bau beim Amt für Hochbauten der Stadt Zürich. Als man die Zwingli-Statue 2019 vom Sockel holte, wurde von unten ein grosser Rostschaden entdeckt. «Zwingli stand auf wackligen Beinen, und es war höchste Zeit für eine Sanierung», sagte Ritter.

Das Kunstwerk besteht aus zehn Bronzeplatten, die von einem Eisenkorsett gehalten werden. Das Ganze ruhte auf einer Eisenkonstruktion im Bronzepodest. Diese Eisenkon­struktion stand permanent im Wasser und war deshalb durchgerostet. Das ganze Gewicht der 800 Kilogramm schweren Figur wurde nur noch vom Bronzepodest gehalten.

In den letzten Monaten wurde der Schaden in der Kunstgiesserei St.Gallen für rund 60'000 Franken behoben. Was man von der Eisenkonstruktion noch retten konnte, hat man restauriert. Neu wurde eine Konstruktion aus Edelstahl hinzugefügt. Da diese auf Metallscheiben liegt, kommt sie auch nicht mehr ständig mit Regenwasser in Berührung. «Jetzt dürfte Zwingli für die nächsten hundert Jahre wieder sicheren Stand haben», sagte Ritter.

Die Patina der Figur, die Ende des 19. Jahrhunderts von Heinrich Natter geschaffen worden war, hat man belassen. «Einzig das Gesicht des Reformators wurde etwas aufgefrischt, damit er etwas jünger aussieht», sagte Ritter. Die Kosten der Sanierung werden von der Stadt Zürich als Eigentümerin getragen.

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