Zürich

Zulasten der Steuerzahler: Corona-Pandemie lässt ZVV-Einnahmen um satte 75 Prozent einbrechen

Nächster Halt Millionendefizit: Die Coronakrise beschert dem ZVV grosse Verluste. Ausgleichen müssen diese Kanton und Gemeinden, also die Steuerzahler.

Nächster Halt Millionendefizit: Die Coronakrise beschert dem ZVV grosse Verluste. Ausgleichen müssen diese Kanton und Gemeinden, also die Steuerzahler.

Seit die Zürcherinnen und Zürcher wegen der Corona-Pandemie im Home Office arbeiten und den ÖV meiden, sind die Einnahmen beim Zürcher Verkehrsverbund ZVV um satte 75 Prozent eingebrochen. Dieser Verlust geht zulasten von Kanton und Gemeinden, also den Steuerzahlern.

Auch in «normalen» Zeiten ist der ZVV nicht kostendeckend. Allerdings kann er sich dann immerhin zu 70 Prozent selber finanzieren. Die restlichen 30 Prozent werden je zur Hälfte mit Steuergeldern des Kantons und der Gemeinden beglichen.

Die Corona-Pandemie wird das Defizit beim ZVV aber in die Höhe schnellen lassen und Kanton und Gemeinden entsprechend mehr belasten: In den vergangenen Wochen verzeichnete der ZVV 80 Prozent weniger Passagiere. Als Folge davon sanken die Einnahmen um etwa 75 Prozent, wie die Volkswirtschaftsdirektion am Donnerstag mitteilte.

Gemäss ersten Berechnungen könnte das ZVV-Defizit um 100 Millionen Franken grösser ausfallen als budgetiert. Statt 340 Millionen würde es gemäss Volkswirtschaftsdirektion also 440 Millionen Franken betragen. Von Reserven zehren kann der ZVV nicht, weil er als unselbständige Anstalt keine anlegen darf.

Ob es bei den 100 Millionen Franken bleiben wird, ist offen. Es sei nicht genau vorherzusagen, in welchem Umfang die Nachfrage in den nächsten Wochen und Monaten wieder steigen werde oder ob es wegen einer allfälligen zweiten Welle sogar wieder Rückschläge gebe.

Keine Preiserhöhungen geplant

Wer das Defizit in welchem Ausmass begleicht, ist noch nicht abschliessend geklärt. Der Bund habe grundsätzlich angekündigt, sich an den ÖV-Verlusten zu beteiligen, sagte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) vor den Medien.

Allerdings gelte seine Zahlungsbereitschaft erst für den Regionalverkehr, nicht für den Ortsverkehr mit Trams und Bussen. «Aus meiner Sicht ist es aber nicht gerechtfertigt, hier einen Unterschied zu machen», sagte Walker Späh weiter. Die Gespräche mit dem Bund seien aber noch nicht abgeschlossen.

So oder so wird aber der Steuerzahler für den Ertragseinbruch aufkommen müssen. Die Passagiere selber sollen nicht zusätzlich belastet werden. «Preiserhöhungen sind nicht vorgesehen», sagte Walker Späh. Es gehe schliesslich darum, die Leute wieder zurück in den ÖV zu bringen. Höhere Ticketpreise seien da nicht hilfreich.

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