Dietikon

Zwischen Corona und QR-Codes: Wie Sandro Wirth sein Praktikum in China erlebte

Sandro Wirth in den Longji-Reisterassen nahe der Stadt Guilin im Süden Chinas

Sandro Wirth in den Longji-Reisterassen nahe der Stadt Guilin im Süden Chinas

Der Dietiker Sandro Wirth war für ein Praktikum in China, als dort die Coronakrise ihren Anfang nahm.

Anfang Jahr hörte die Welt erstmals vom neuartigen Coronavirus. Während der Alltag hierzulande vorerst ganz normal weiterging, wurde jener von Sandro Wirth auf den Kopf gestellt. Der Dietiker lebte zu diesem Zeitpunkt ein halbes Jahr in Peking. Im Sommer 2019 begann er dort an der Schweizer Botschaft ein einjähriges Praktikum in der Abteilung Wissen-schaft, Technologie und Bildung.


So erlebte der 23-Jährige den Ausbruch der Pandemie aus der Nähe. «Ich kam Ende Januar von einer Inlandsreise zurück, als das Ganze bereits losging, und wusste zuerst nicht, ob ich in der Botschaft normal weiterarbeiten kann», sagt der vor knapp zwei Wochen in die Schweiz zurückgekehrte Wirth. Viele Veranstalt-ungen, die seine Abteilung damals geplant hatte, seien abgesagt worden.

Wirth, der Internationale Beziehungen in Genf studiert hat, begab sich für rund drei Wochen in Quarantäne. Diese habe ihm nicht sonderlich zugesetzt. Er habe vielmehr Zeit gehabt, auch mal andere Dinge zu tun, zu lesen und an seinem Chinesisch zu feilen. Er wohnte in einer Wohngemeinschaft mit zwei Männern aus dem Libanon und Mexiko und einer Chinesin zusammen. «Wir haben viel gekocht und uns zusammen die Zeit vertrieben. Alles in allem waren es coole Tage», sagt Wirth. Danach habe er dann auch problemlos in der Schweizer Botschaft weiterarbeiten können.


Dass sein Gastland wegen des Virus vor grosse Heraus-forderungen gestellt wurde, hat Wirth schnell zu spüren bekommen. Zu Beginn habe viel Chaos geherrscht, niemand habe genau gewusst, was passieren würde. «Ich glaube, die Regierung musste selbst zuerst verstehen, was vor sich ging.» Sie habe dann schnell begonnen, ganze Spitäler innert weniger Tage zu bauen. Wuhan, die Stadt mit elf Millionen Einwohnern, in der das Virus erstmals nachgewiesen wurde, wurde komplett abgeriegelt. Dadurch sei die Bevölkerung ziemlich verunsichert und besorgt gewesen. Panik sei aber nie aufgekommen: «Hamsterkäufe, wie es sie in der Schweiz gab, habe ich keine erlebt», sagt Wirth.


Nur kurz an Abbruch des Praktikums gedacht

An eine verfrühte Rückkehr in die Schweiz hat Wirth nur kurz gedacht: «Der Gedanke ging mir natürlich schon durch den Kopf.» Die Schweizer Botschaft hätte ihn dabei unterstützt, nach Hause zu fliegen. Schliesslich seien jedoch die verordneten Massnahmen und die Disziplin der Chinesen ausschlaggebend gewesen, sein Praktikum zu Ende zu bringen, ohne in Angst leben zu müssen. «Wenn die chinesische Regierung etwas befielt, dann wird es vom Volk umgesetzt. Die Chinesen sind sehr strikt, man gehorcht. Massendemonstrationen oder Proteste gab es keine.» Die Menschen hätten verstanden, dass sie zum Wohle der Gesamtbevölkerung beitragen können und müssen. Hier in der Schweiz hätten eher die Freiheiten des Einzelnen Priorität, meint Wirth: «Gewisse Massnahmen, die China eingeführt hat, würden hierzulande niemals funktionieren.»


Während seines Praktikumsjahres hat Wirth China kennen und auch schätzen gelernt. «Die Menschen sind sehr gelassen, nichts bringt sie aus der Ruhe. Sie nehmen alles recht locker.» Wirth spricht von einer Art Gleichgültigkeit, meint dies aber positiv. Zudem seien ihm die Menschen sehr zuvorkommend und hilfsbereit begegnet. Sie hätten sich sehr viel Zeit genommen, ihm die unterschiedlichsten Dinge zu erklären – unter anderem auch WeChat, eine App, die alle möglichen Bezahl- und Kontaktmethoden in sich vereint, und ohne die in China nichts läuft. «Diese App hat jeder. Das geht so weit, dass Bettler QR-Codes haben, damit man für sie per WeChat spenden kann.» Für Sandro Wirth ist klar: «Ich würde China gerne wieder bereisen und meine Kollegen besuchen.»

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