Die Medien und die Affäre Lachappelle
Die journalistischen Fallstricke beim Fall des Raiffeisen-Präsidenten

Privates und Berufliches lässt sich im Fall Lachappelle nicht trennen. Was tun, wenn das eine nicht, das andere sehr wohl öffentlich debattiert gehört?

Christian Mensch
Christian Mensch
Merken
Drucken
Teilen
Medienkonferenz von Guy Lachappelle.

Medienkonferenz von Guy Lachappelle.

Juri Junkov

Es regnete in Strömen, als der Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle in einem ehrwürdigen Basler Zunftsaal in einer hochemotionalen Ansprache seine Fehler benannte und als Konsequenz seinen Rückzug aus der Finanzwelt verkündete.

Für die breitere Öffentlichkeit kam der Auftritt dennoch aus heiterem Himmel. Nicht so für die Medienwelt. Denn die Wolken hatten sich längst über ihm zusammengezogen. Einige Redaktionen recherchierten seit geraumer Zeit in der Sache. Es kursierten genügend kompromittierendes Material und massive Anschuldigungen gegen ihn. Teilweise war es über anonyme Server an viele Adressaten im Finanz- und Medienbereich verschickt worden, teilweise wurden Redaktionen direkt mit Dokumenten bedient. Die einen mit diesen, andere mit anderen.

Die Affiche ist einerseits zu attraktiv, um sie vorbeiziehen zu lassen: ein Spitzenbanker, der im schmutzigen Streit mit einer Ex-Partnerin steht und dabei wohl gegen Gesetzespflichten verstossen hat. Damit ist sie andererseits aber nicht bloss interessant, sondern auch relevant und somit verpflichtend, um ihr nachzugehen.

Privates und Berufliches lassen sich in diesem Fall nicht trennen. Dies ist die eine Wahrheit. Die andere ist, dass Privates und Berufliches nicht gleichermassen in der Öffentlichkeit verhandelt gehören. Das gebietet das Persönlichkeitsrecht wie die journalistischen Standesregeln. Ein Dilemma für Medienschaffende.

Der «Sonntagsblick» wagte sich als Erster aus der Deckung, machte sich aber keinen Gefallen. Lachappelle erwirkte einstweilige Verfügungen, heizte damit jedoch die Recherchen bloss an. Weitere gerichtliche Interventionen folgten. Der Geist war aus der Flasche und nicht mehr zu bändigen.

Lachappelle könnte sich nun als Medienopfer stilisieren, erlegt von einer Phalanx von Medienschaffenden, die, einseitig angefüttert, ihm keinen Raum für eine faire Berichterstattung liessen. Er hat es bisher nicht getan und sollte dabei bleiben: Mächtig stolz sollten die Journalisten zwar auf ihre Leistung nicht sein. Doch sie machen ihren Job auf heiklem Gelände. Sie haben berichtet, was Grund genug ist, um ihn als Präsident einer grossen Bank zurücktreten zu lassen.