Industrie
ABB-Deal ist besser als eine Grossfusion

Niklaus Vontobel
Niklaus Vontobel
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Mit dem Zukauf einer Sparte von General Electric steigert die ABB ihren Marktanteil im Elektrifizierungsprodukte-Geschäft von 30 auf 38 Prozent.

Mit dem Zukauf einer Sparte von General Electric steigert die ABB ihren Marktanteil im Elektrifizierungsprodukte-Geschäft von 30 auf 38 Prozent.

KEYSTONE

Der Münchner Komiker Michael Mittermeier erzählte einst, er baue für seine Witze gerne Rampen: zwei, drei vorbereitende Sätze, auf denen die eigentliche Pointe dann abheben soll.

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer will nun ebenfalls eine Rampe zimmern. Die «Industrial Solutions» von US-Konzern General Electrics sollen helfen, damit das US-Geschäft von ABB abheben kann.

Die Investition von 2,6 Milliarden Dollar ist der Anfang. Nun muss Spiesshofer, wie er zu Analysten sagte, die «Industrial Solutions» flicken, dann verstärken, und schliesslich – erst in etwa zwei Jahren – soll das Wachstum kommen. Das ist den Analysten nicht inspirierend genug. GE Industrial Solutions hat schwere Zeiten hinter sich. Der Marktanteil sank zuletzt, die Produkte gelten zum Teil als veraltet, und es fehlt diesem traditionellen
Geschäft an sexy Schlagwörtern – wie: «digitalisiert».

Doch Spiesshofer hat gezeigt, dass er Geschäfte reparieren kann: Kosten senken, Margen erhöhen usw. Und es leuchtet ein, wenn er erklärt, über das Vertriebsnetzwerk von «Industrial Solutions» werde ABB ihre eigene digitalisierte Hightech verkaufen können.

Der Industriestandort Schweiz muss über diesen Deal wohl froh sein. Die Alternative wäre eine Giganten-Hochzeit gewesen, wie Spiesshofer sagte. Die ABB täte sich mit einem anderen «Big Boy» zusammen, es gäbe eine «branchenweite Konsolidierung» – und wohl Tausende Jobverluste. Dafür sei ABB nicht bereit. So kann der «Konsolidierer» Spiesshofer zwei Jahre weiterarbeiten bis die Rampe repariert ist – und kommt dank «Industrial Solutions» zu einem Umsatzwachstum von 2,7 Milliarden Dollar. Spätestens dann muss er zeigen, dass er Wachstum aus eigener Kraft generieren kann. Unter ihm schrumpfte ABB umsatzmässig bislang nur.

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