Autopartei
«Freie Fahrt für freie Bürger» genügt nicht

Vor Jahren schafften es Kandidaten der Autopartei in den Nationalrat – heute spielt die Partei keine Rolle mehr. Das kommt nicht von ungefähr. Ein Kommentar.

Jörg Meier
Jörg Meier
Drucken
Teilen
Eine Sprayerei zum Benzin-Zoll von Fans der Autopartei mit dem Text: «Benzin Fr. 3.-? Autofahrer halten zusammen. Darum jetzt AUTOPARTEI!» Das Bild wurde aufgenommen im April 1993.

Eine Sprayerei zum Benzin-Zoll von Fans der Autopartei mit dem Text: «Benzin Fr. 3.-? Autofahrer halten zusammen. Darum jetzt AUTOPARTEI!» Das Bild wurde aufgenommen im April 1993.

Keystone

Vor vielen Jahren, als der Aargau noch eine Hochburg der Autopartei war, berichtete ich über eine Versammlung der neuen Partei. Es war kurz vor den Nationalratswahlen. Die Versammlung war gut besucht, das Klima aufgeladen, der Nationalratskandidat moserte heftig und unter grossem Applaus gegen die Grünen, gegen Bern und die EU.
Ich hörte aufmerksam und leicht irritiert zu, notierte, was ich zu hören bekam, und schrieb meinen Bericht für die Zeitung.

Ich fügte an, der Referent habe «gemosert». Das kam bei der Parteispitze gar nicht gut an. In einem Schreiben an die Chefredaktion und Kopien an rund ein Dutzend Persönlichkeiten im Umfeld der Partei wurde mitgeteilt, dass ich ab sofort eine unerwünschte Person sei. Für mich gelte für jegliche Veranstaltungen der Autopartei ein absolutes Hausverbot. Die Aargauer wollten, dass der mosernde Referent ein paar Wochen später mit Glanz und Gloria zum Nationalrat gewählt wurde.

Heute spielt die Autopartei politisch keine Rolle mehr. Und das ist gut so. Der 30. Geburtstag der praktisch nur noch auf dem Papier existierenden Partei zeigt, dass die Reduktion des politischen Bewusstseins auf das Auto und den Slogan «Freie Fahrt für freie Bürger» kein überdauernder Beitrag an die funktionierende Demokratie sein kann. Auch nicht im Aargau.

Jetzt habe ich doch wieder über die Autopartei geschrieben. Aber ich bin zuversichtlich, dass diese Zeilen keinen eingeschriebenen Brief zur Folge haben werden – wer keine Versammlungen mehr durchführt, kann auch niemanden ausschliessen.

Aktuelle Nachrichten