Kommentar
Solidarität unter Vermietern und Gewerblern: Es geht auch ohne Staat

Die Solidaritätsaktion unter Aargauer Gewerblern zeigt, dass sich beim Mieterlass Vermieter und Gewerbetreibende auch ohne Befehl der Politik entgegenkommen können. Wenn sie wollen.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Gute Nachrichten sind bekanntlich selten in dieser Corona-Pandemie. Umso wohltuender ist die Solidaritätsaktion unter Aargauer Gewerbetreibenden. Es ist nicht selbstverständlich, dass Ladenbesitzer und Apothekerinnen freiwillig auf den Mieterlass verzichten, den sie von der Aargauischen Kantonalbank bekommen haben und das Geld jenen überlassen, die es nötiger haben.

Es ist ein ermutigendes Zeichen in einer Zeit, in der das Ringen um die richtige Coronapolitik zunehmend verbissen und verbittert geführt wird. Vielen geht der zweite Lockdown nicht nur psychisch an die Substanz, sondern auch finanziell ans Lebendige.

Der Ruf der Betroffenen nach Lockerung der Massnahmen und Entschädigung vom Staat ist verständlich. Mit der neu entfachten gegenseitigen Hilfe zeigen viele Gewerbetreibenden aber, dass sie nicht einfach jammern und fordern, sondern selber ihren Beitrag zur Krisenbewältigung leisten.

Das Bundesparlament wollte den Vermietern Solidarität in Form eines Mieterlasses nicht gesetzlich vorschreiben. Liegenschaftsbesitzer wie die AKB zeigen, dass es auch freiwillig geht. Es wäre mehr als eine Geste, wenn die Solidaritätswelle auf weitere Vermieter überschwappen würde.

Politisch kämpfen Immobilienbesitzer und Gewerbler oft Seite an Seite. Bei den Geschäftsmieten haben sie es in der Hand, sich in dieser Krise untereinander auch ohne staatliches Geleit wirkungsvoll zu helfen.