Polemik
Lang lebe Mehmet Scholl

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Mehmet Scholl.

Mehmet Scholl.

Keystone

Urs Siegenthaler, Chefscout der deutschen Nationalelf, zu raten, er möge bitte morgens liegen bleiben, ist verletzend. Das sagte ARD-Fussballexperte Mehmet Scholl nach dem Viertelfinal-Sieg der Deutschen gegen Italien. Gewiss eine zähe Partie. Aber Hauptsache eine Runde weiter, denken viele. Und so bleiben «Motzkopf» und «Pseudofachmann» die nettesten Ausdrücke, die Scholl entgegengeschmettert werden.

Ich hoffe aber, dass Scholl nicht einknickt, sondern weiterhin bissig aus dem Bett steigt. Denn was kriegen wir sonst von den Experten vorgesetzt – insbesondere im Schweizer Fernsehen? Eine Wiederholung der Floskeln, die schon der Trainer, die Spieler und der Verbandspräsident abgegeben haben.

Nur: Der Fussball lebt auch vom Dissens. Von hitzigen Diskussionen über so weltbewegende Entscheidungen wie: Vierer- oder Dreierkette? Scholl hat dem deutschen Fussball mit seiner Kritik einen famosen Dienst erwiesen. Denn nichts schweisst ein Team enger zusammen als ein gemeinsamer Feind. Weil AfD-Vize Alexander Gauland und seine Boateng-Beleidigung kein Thema mehr ist, macht nun Scholl die Deutschen zum Europameister.

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