Langmatt schachmatt?

Hans Fahrländer
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Alle Museen im Aargau wurden von der Coronakrise hart getroffen. Das Badener Impressionisten-Museum Langmatt hat es ganz besonders erwischt. Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren, am 21. April 1990, öffnete das Museum seine Türen, nachdem der letzte Spross der BBC-Gründerfamilie Brown die Villa samt Inhalt und Park testamentarisch der Stadt Baden vermacht hatte. Diese überführte es in eine Stiftung. Unter dem jetzigen Direktor Markus Stegmann blühte die Langmatt auf, die Besucherzahl verdoppelte sich. Man nahm gerade Anlauf zu einer glanzvollen Jubiläumssaison – dann sauste der Lockdown-Hammer nieder.

Bevor die werte Leserschaft hier aussteigt, weil der Badener Kolumnist nur ein Badener Thema erörtert, sei daran erinnert: Die Langmatt enthält eine der bedeutendsten Impressionisten-Sammlungen Europas und ist ein Kunstmuseum von internationalem Rang. Allein von Pierre-Auguste Renoir besitzt es 22 Bilder, dazu kommen noch Werke von Monet, Cézanne, van Gogh, Gaugin etc. Stegmann brachte aber zunehmend und erfolgreich auch Gegenwartskunst in die Villa. Das Problem: Das Haus ist baulich in einem schlechten Zustand. Wassereinbruch im Keller, Kamine, die fast vom Dach fallen, abblätternde Farbe– eine Sanierung kostet mindestens 20 Millionen Franken. Doch woher soll dieses Geld kommen? Die Stiftung als Besitzerin ächzt, trotz jüngster Erfolge, unter einem Betriebsdefizit. Wenn es so weitergeht, ist sie bald bankrott.

Nachdem die Stadt Baden und ihre Politik das Potenzial und den Investitionsbedarf der Langmatt lange unterschätzt hatten, arbeitet sie nun zusammen mit dem Kanton fieberhaft an einer Lösung. Demnächst (wenn Corona es zulässt) beugt sich der Einwohnerrat über das Dossier. Klar ist: Die Stadt kann das durch die Krise dramatisch verschärfte Problem allein nicht lösen. Wir hätten da einen Vorschlag: Unter dem Label «Museum Aargau» hat der Kanton im Laufe der Zeit ein Dach für zehn kulturelle Institutionen geschaffen. Dazu gehö- ren vier Schlösser (Lenzburg, Hallwyl, Habsburg, Wildegg), das Vindonissa-Museum, das Kloster Königsfelden, der Legionärspfad und weitere. Tut um Gottes Willen etwas Tapferes und nehmt die Langmatt unter dieses schützende, kantonseigene Dach auf! Ihr werdet es nicht bereuen.

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