Kommentar
Start der Covid-Impfungen: Ein schöner Erfolg für die Briten

Das unbürokratische Vorgehen der britischen Wissenschafter in Sachen Covid-Impfung zahlt sich aus. Nun hat die erste Britin eine Covid-19-Impfung bekommen.

Sebastian Borger aus London
Sebastian Borger aus London
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Das Krankenhauspersonal applaudiert Margaret Keenan, nachdem diese die Impfung erhalten hatte.

Das Krankenhauspersonal applaudiert Margaret Keenan, nachdem diese die Impfung erhalten hatte.

Keystone

Man muss den 8. Dezember 2020 nicht gleich zum welthistorischen Tag erklären, wie es Kommentatoren in Grossbritannien getan haben. Aber dass dort der Start ins erste Massenimpfungsprogramm gegen Covid-19 reibungslos geklappt hat, ist den Briten von Herzen zu gönnen.

Als die Prüfer der Londoner Arzneimittelbehörde MHRA vergangene Woche den Impfstoff der deutschen Firma Biontech sowie des US-Giganten Pfizer zur Anwendung freigaben, war andernorts das Wehgeschrei gross. Der Europäische Aufseher EMA in Amsterdam veröffentlichte eine nasenrümpfende Pressemitteilung. Tenor: Wir machen’s besser, deshalb brauchen wir länger.

US-Gesundheitszar Anthony Fauci behauptete Ähnliches, zog die Kritik an den britischen Kolleginnen aber alsbald zurück.

Warum nicht einfach machen?

Sie entbehrt auch jeder Grundlage. Im Kampf gegen die Coronapandemie wurden den Impfstoffentwicklern weltweit bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt. Die umfangreichen klinischen Studien mit Tausenden von Teilnehmern ergaben keinerlei Hinweise auf schädliche Nebenwirkungen. Auch herrscht auf der Insel ausdrücklich keine Impfpflicht. Warum also nicht vorangehen mit einem Präparat, das schlimmstenfalls nicht schadet, bestenfalls aber den ersehnten Ausweg aus der Spirale immer neuer Lockdowns weisen kann?

Gesundheitsminister Matthew Hancock hat die rasche Zulassung ursächlich mit dem Brexit in Zusammenhang gebracht. Das ist Unsinn. Denn in Wirklichkeit unterliegt das Königreich bis Ende des Monats noch den genau gleichen Pflichten wie die 27 EU-Mitglieder. Wie diese hat auch London das Recht, in einem Notfall die Arzneimittelzulassung der nationalen Behörde zu übertragen.

Aber das ist ein Nebenaspekt. Wichtig bleibt: Eine wissenschaftlich untadelige Behörde hat rasch und unbürokratisch gearbeitet. Dazu kann man den Briten nur gratulieren.

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