Polemik
Strahlend schöne Unabhängigkeit

Fabian Hock
Fabian Hock
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AKW Gösgen.

AKW Gösgen.

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA

Gestern wanderte ich die Aare entlang und fand am Ufer einen leuchtend grünen Klumpen Uran. Wie der wohl dahin kam? Er muss vom Himmel gefallen sein, so kommt das Uran ja schliesslich in die Schweiz, richtig? Also schnappte ich mir den Brocken und marschierte Richtung Olten. Dort gab ich ihn ab. Jetzt strahlt mein Stück Uran fröhlich im AKW Gösgen vor sich hin und leistet seinen Beitrag zur Energieunabhängigkeit.

Man kann für Atomkraft sein, man kann gegen sie sein. Doch die Geschichte, sie mache die Schweiz unabhängig, hat noch weniger Wahrheitsgehalt als mein kleines – Sie werden es gemerkt haben – Märchen vom Uran-Fund an der Aare. Uran fällt nicht vom Himmel. Es kommt aus Russland. Oder wird dort zumindest aufbereitet. Aus Kanada bezieht die Schweiz ebenso Uran – doch macht das die Mär der Unabhängigkeit wahrer? Mitnichten.

Ich wanderte weiter. In die Alpen. An einem Gebirgssee fühlte ich mich gleich unabhängiger. Denn weder das Wasser hier oben noch die Sonnenstrahlen, die es zum glitzern bringen, wirken sonderlich kanadisch auf mich.

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