Kommentar
Streit um Karin Bertschi: Krise geschickt gemeistert

Karin Bertschi und Jean-Pierre Gallati haben sich nach der Krise geeinigt. Der Kommentar von Urs Helbling.

Urs Helbling
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Jean-Pierre Gallati begrüsst Karin Bertschi nach der Krisensitzung in der SVP-Fraktion.

Jean-Pierre Gallati begrüsst Karin Bertschi nach der Krisensitzung in der SVP-Fraktion.

zvg

So schnell, wie er ganz stark zu strahlen begonnen hatte, so schnell drohte er zu verglühen: der politische Stern Karin Bertschi (26). Noch am Samstagmittag sah es ganz danach aus, als würde sie am Aargauer Polit-Himmel verglimmen. Und das, obwohl die Wynentaler Neo-Politikerin gleichentags im «Blick» einen prominenten Auftritt hatte. In der engeren Heimat setzte ihr die Umzugs-Affäre stark zu. Das SVP-Schwergewicht Jean-Pierre Gallati forderte Karin Bertschi indirekt zum Rücktritt auf («klarer Fall von Wählerbetrug»).

Ihr Umfeld reagierte mit Verschwörungstheorien. Gallati sei sowohl bei der Giezendanner Transport AG (Rothrist) auch als bei deren Tochtergesellschaft RTW Recycling Transport AG (Waltenschwil) Verwaltungsratspräsident. Er habe geschäftliche und politische Interessen, dass Karin Bertschi nicht zu weit hinauf komme. Politische, weil sie im Nationalratswahlkampf 2019 allenfalls den möglichen Wahlerfolg von Benjamin Giezendanner gefährden könnte.

Karin Bertschi erzielte in ihrem Bezirk das beste Wahlergebnis und zieht in den Grossen Rat ein.
8 Bilder
Karin Bertschi
«Die Idee für eine Kandidatur hatte meine kleine Schwester Olivia – im Beisein von Toni Brunner.»
Ihr Wahlkampf bestand vorallem aus dem Besuch verschiedener Podien...
...und grossen Wahlplakaten.
Bertschi leitet das Recycling-Paradies» - und dies überaus erfolgreich.
Die Jungunternehmerin ist zur Zeit am expandieren.
Bertschi-Foto von ihrer Facebook-Seite.

Karin Bertschi erzielte in ihrem Bezirk das beste Wahlergebnis und zieht in den Grossen Rat ein.

az/archiv

Auf der Ebene der Verschwörungstheorien wäre der Streit innerhalb der SVP weiter eskaliert. Mit absehbaren Folgen – vor allem für Karin Bertschi. Es ist nicht bekannt, was am frühen Samstagabend zum überraschenden Frieden geführt hat. Fest steht: Karin Bertschi musste der Partei Zugeständnisse (Rücktritts-Versprechen bis 1. Oktober 2018) machen. Aber es gelang ihr, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Optisch umgesetzt mit dem nebenstehenden Strahle-Foto.

Karin Bertschi und ihre Berater haben nach ihrem Fehler gut gepokert. Ihr Stern leuchtet weiter – aber nicht mehr so hell wie noch vor ein paar Tagen.