Apropos
Vor dem Passiv wird gewarnt

Christoph Bopp
Christoph Bopp
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"Die nordirakische Grossstadt Mossul ist durch den IS befreit worden" – diese Passivkonstruktion ist zweideutig.

"Die nordirakische Grossstadt Mossul ist durch den IS befreit worden" – diese Passivkonstruktion ist zweideutig.

KEYSTONE/AP/FELIPE DANA

Die Sprache macht mit uns manchmal allerhand. «Mossul vom IS zurückerobert» – so die Schlagzeile. Leider lässt sie völlig offen, wer jetzt in Mossul ist. War der IS mal da und ist jetzt nicht mehr? Oder war er da und ist jetzt wieder zurück? Dass man manchmal nicht weiss, wo der IS ist, gehört zum Modus Operandi dieser sogenannten Terror-Miliz. Aber in Beziehung mit Mossul wäre etwas mehr Klarheit wünschenswert.

Dass man hier nicht weiss, wer in Mossul ist, liegt am sogenannten Passiv, dem Genus Verbi oder der Diathese. Verben, also Tätigkeitswörter, haben an sich, dass sie oft einen Handelnden haben, der an einem Objekt seine Handlung ausführt. Komischerweise werden in Beispielen oft Hunde geschlagen oder Frauen geliebt. «Fritz schlägt seinen Hund.» Und: «Fritz liebt Olga.» Das ist das Aktiv oder das aktive Genus.

Anders als meist in der realen Welt kann sich in der Sprache das Objekt zur Wehr setzen. Es kann sich zum Subjekt machen – allerdings ändert das meist nicht viel an seinem unglücklichen Zustand: «Der Hund wird geschlagen.» (Ob Olga auch geliebt wird, lassen wir offen.) Das ist das Passiv oder das passive Genus. Die handelnde Person «tritt zurück», sagt Wikipedia. Wenn es doch immer so einfach wäre – auch mit der Entfernung des IS aus Mossul.

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