Susanne Ruoff
Zu dicke Post

Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann
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Nicht mehr Chefin der Post: Susanne Ruoff ist am Freitag aufgrund des Untersuchungsberichts zur Postauto-Affäre zurückgetreten. Dies wurde am Sonntagabend mitgeteilt. (Archiv)

Nicht mehr Chefin der Post: Susanne Ruoff ist am Freitag aufgrund des Untersuchungsberichts zur Postauto-Affäre zurückgetreten. Dies wurde am Sonntagabend mitgeteilt. (Archiv)

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Diese Post kam mit Ansage, doch der Zeitpunkt überrascht: Gestern Abend gab Post-Chefin Susanne Ruoff ihren Rücktritt bekannt. Sie übernimmt nach längerem Hin und Her die Verantwortung für den Postauto-Skandal, dem grössten Subventionsbetrug bei einem Bundesbetrieb. Über Jahre hinweg hatte die Tochterfirma im Regionalverkehr unerlaubte Gewinne eingefahren.

Dass Ruoff mit der Bekanntgabe ihres Rücktritts bis gestern zuwartete, ist unkonventionell. Denn heute sollen die Resultate des Untersuchungsberichts vorgestellt werden. Dabei war seit Längerem klar, dass die 60-Jährige schon früher auf die Ungereimtheiten bei der Postauto-Tochter hätte reagieren müssen, wie Recherchen klarmachten.

Insofern deutet der ungewohnte Zeitpunkt auf ein mögliches Zerwürfnis mit dem Verwaltungsrat oder gar dem Verkehrs-Departement (Uvek) von Doris Leuthard hin. Klar scheint auch, dass die Faktenlage zu erdrückend war für Ruoff, um sich länger im Amt zu halten. Dabei hatte sie es von Anfang an nicht einfach, als sie vor sechs Jahren als Externe zur Konzernchefin ernannt wurde. Ihre Berufung stiess vielen langjährigen Kaderleuten sauer auf.

Die Ergebnisse der Untersuchung sowie ein externes Gutachten, welches die Post heute präsentieren wird, werden die persönlichen Fehler Ruoffs zeigen. Doch das reicht nicht. Auch die Fehler im System müssen aufgedeckt werden. Insofern ist vor allem Uvek-Vorsteherin Doris Leuthard gefordert, aus diesem Fiasko die richtigen Schlüsse zu ziehen. Denn auch sie muss sich bei diesem Millionenbetrug die Frage gefallen lassen, ob der Bund seine Betriebe im Griff hat.

benjamin.weinmann@azmedien.ch

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