Baselwords
Blumen aufs Grab der Labialen

Roger Thiriet
Roger Thiriet
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Für einige Basler Unternehmen braucht es mehr als «Blumen aufs Grab».

Für einige Basler Unternehmen braucht es mehr als «Blumen aufs Grab».

pixabay

Tout Bâle zitterte vergangenen Monat um zwei weiche Bs. Und trauerte um ein hartes P.

In der Tat gerieten im Verlauf des Wonnemonats nicht weniger als drei Basler Unternehmen, deren Name mit einem Labiallaut beginnt, in wirtschaftliche Turbulenzen. Einmal Beschle – die Premium-Confiserie, die trotz ihres hochwertigen Sortiments und nach eigener Aussage unverändert grossem Publikumszuspruch am Schluss die Mieten am Bahnhof und anderswo nicht mehr bezahlen konnte. Dann barfi.ch – das innovative Online-Portal, das sich trotz seinem, nach eigenem Bekunden, erfolgreichen Konzept und rekordhohen Nutzerzahlen am Schluss die Miete für die Laufschrift am gleichnamigen Platz nicht mehr leisten konnte. Und schliesslich Publicitas - die legendäre Inseratevermittlerin, die sich gemäss eigener Aussage nach einer 128-jährigen Erfolgsgeschichte und einem Hochglanz-Image wie weiland die Swissair am Schluss grad gar nichts mehr leisten konnte.

Dabei schlug die «P» am heftigsten auf dem harten Boden der Illiquidität auf. Die Pleite des einstigen Vorzeigeunternehmens überraschte tout Bâle angesichts des einstigen Renommees des Medienriesen, der über Jahrzehnte nicht nur den gesamten Anzeigenmarkt beherrschte und gut ein Drittel einer heute nicht mehr so grossen Basler Zeitung besass, sondern mit Persönlichkeiten wie Albert Fritsche, Werner Kromer, Georg Stoller, Remo Mondelli und Rolf Jenni auch über Generationen das gesellschaftliche Parkett von Basel gerockt hatte.

Ähnlich wie die Familie Beschle, deren Kreationen wie Pariserring und Gâteau St. Honoré in den vergangenen 120 Jahren auf keinem Teetisch in den besseren Basler Salons fehlen durfte. Dennoch musste die Edel-Kette zum Entsetzen des Basler Daig nach missglückten Diversifikationen der vierten Generation in extremis vom Rhyschänzli-Tausendsassa Jérôme Beurret gerettet werden. Ob ein entschlossener Retter last minute auch das Online-Portal barfi.ch offenhalten kann, ist bis zum Redaktionsschluss dieser Baselwords noch offen. Gemäss dem dringenden Unterstützungsaufruf, zu dem sich das elektronische Bebbi-Zentralorgan trotz anscheinend weiter steigenden Userzahlen Mitte Monat erneut veranlasst sah, müsste ein weisser Ritter in diesem Fall entschieden mehr mitbringen als «Blumen aufs Grab».

Hingegen ist nicht auszuschliessen, dass solche demnächst auf der letzten Ruhestätte zweier weiterer Basler Traditionsinstitutionen niedergelegt werden können. Auch wenn bei ihnen der Labiallaut nicht am Anfang, sondern in der Mitte, respektive am Schluss steht: Sowohl die Muba als auch die Basler SVP haben sich im vergangenen Monat als ernstzunehmende Exit-Kandidaten herausgestellt.

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