Der Landbasler
Die prekäre Situation einer Bahnlinie

Der Landbasler hat Sympathien für das Läufelfingerli. Zum Autor: Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. Er lebt in Füllinsdorf.

Thomas Schweizer
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Thomas Schweizer hat sympathien mit dem Läufelfingerli.

Thomas Schweizer hat sympathien mit dem Läufelfingerli.

Bruno Kissling

Vor vielen Jahren besuchte ich einen Anlass in Bad Bubendorf, an dem es um die Zukunft der Waldenburgerbahn ging. Später begab sich der ganze Tross in den Zug und fuhr talaufwärts bis zur Endstation. Auf der Fahrt kam es zu einem spannenden Gespräch mit der damaligen Baselbieter Regierungsrätin Elsbeth Schneider.

Wir hatten versucht, die Unterschiede zwischen dem Läufelfingerli und dem Waldenburgerli herauszufinden (Diminutiv nicht despektierlich gemeint, sondern als Ausdruck besonderer Zuneigung). Der gemeinsame Nenner: Beide Bahnen haben für die Bevölkerung einen hohen emotionalen Wert.

Die Unterschiede waren aber offensichtlich. Die WB bedient ein Industriegebiet, fährt mitten durch die Dörfer und macht es für die vielen Pendler leicht, mit der Bahn nach Liestal und zurück zu fahren. Die SBB-Anschlüsse waren jederzeit garantiert, mit den Bussen nicht. Bei der Linie zwischen Sissach und Olten, der heutigen S9, sind Vorbehalte angebracht.

Die Regierungsrätin und ich hatten viel Sympathie für beide Bahnen. Aber für sie war es schon damals klar, dass das Läufelfingerli düsteren und schwierigen Jahren entgegenfährt. Bis heute aber ist es in der Spur geblieben und fährt noch immer. Nach dem Landratsbeschluss von letzter Woche ist das Ende aber bedrohlich nah.

Noch ist es nicht so weit. Zuerst muss auch Solothurn zustimmen, und das letzte Wort wird wohl das Baselbieter Stimmvolk haben. Aber man mache sich keine Illusionen. Es wird viel davon abhängen, wie die Befürworter der Linie, zu denen auch ich mich zähle, klug und sympathisch für die S9 argumentieren.

Dann wird sich zeigen, wie viel Unterstützung aus dem Unterbaselbiet kommt. Bereits für die WB habe ich von dort, aus dem hohlen Bauch heraus, ungute Stimmen gehört. Heute wissen wir: Das Waldenburgerli ist zum Glück gerettet, die Bahn wird ausgebaut, und als «Lebensader» wird sie dem Tal neuen Schwung und neue Impulse bringen.

Es ist das Schicksal von Randregionen, dass sie viel weniger dicht besiedelt sind als Ballungszentren. Die Peripherie hat es ohnehin schwer, auch auf wirtschaftlichem Gebiet, wie wir inzwischen schmerzlich erfahren haben. Nur als Tourismus-Destination mit guten Wohnlagen (wie lange noch?), so quasi als Disneyland, sehe ich das Oberbaselbiet aber nicht. Nur braucht es die öffentliche Hand und den Goodwill, wirksam für die oberen Täler einzustehen.

Nun besteht das Dilemma des Staates darin, dass er heute sehr viele Aufgaben zu bewältigen hat (für mich zu viele!), selber aber kein Unternehmer ist. Er muss massiv in unsere Taschen greifen. Erst das von uns herausgeholte Geld kann er ausgeben. Jeder erwartet natürlich, dass seine Anliegen berücksichtigt und unterstützt werden.

Regierung und Landrat aber müssen ganzheitlich denken und mit den Finanzen sorgsam umgehen. War das in der Vergangenheit immer der Fall? Es scheint, dass die S9 ein Opfer dieser Politik werden könnte. Bevor es aber endgültig, wie früher bei der WB «hinde fertig!» heisst, dürfen die Bahnfreunde nicht aufgeben.

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