Mein Leben im Dreiland
Parkgebühren: Gegenüber Basel ist Strassburg zahm

In Strassburg wird Protest laut: Auf Anfang Jahr wurde still und heimlich das Gratisparking zwischen 12 und 14 Uhr abgeschafft. Von kostenlosen Parkplätzen kann man in Basel nur träumen; auch Parkplätze in der blauen Zone werden immer rarer.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Zentrale Parkuhr in der Steinentorstrasse in Basel.

Zentrale Parkuhr in der Steinentorstrasse in Basel.

psc

Bei Diskussionen um Parkplätze und Autoverkehr liegen nicht nur im schönen Basel regelmässig die Nerven blank. Diese Erfahrung muss derzeit auch die Strassburger Stadtverwaltung machen. Heimlich, still und leise wollte diese auf Anfang Jahr eine heilige französische Kuh schlachten: das Gratisparking in der Mittagszeit zwischen 12 und 14 Uhr.

Zwar gibt es auch andere grosse Agglomerationen wie Bordeaux, Toulouse, Lyon oder natürlich Paris, wo die Parkplätze im öffentlichen Raum, die mit einer Parkuhr ausgestattet sind, durchgehend von 9 bis 19 Uhr bezahlt werden müssen. In vielen anderen französischen Städten aber ist das nicht der Fall. So ist das Parkieren im Elsass, mit Ausnahme der Parkhäuser, über die Mittagszeit in Colmar und auch in Mulhouse weiter gratis. Wer also um 11.30 Uhr ankommt und um 15 Uhr wieder fahren will, muss für seinen Parkschein lediglich anderthalb Stunden bezahlen – wer nur von 12 Uhr bis 14 Uhr bleibt, gar nichts.

In Saint-Louis und auch in Huningue gibt es nur blaue Zonen, die mit der Parkscheibe funktionieren. Die Tageszeitung «Dernières Nouvelles d’Alsace» hat über die Änderungen in Strassburg berichtet, und drei Tage später zählte die Facebook-Gruppe gegen die Parkgebühren schon fast 3800 Mitglieder. Eine Petition für die Abschaffung der Massnahme haben bereits 1200 Personen unterschrieben. Je nach Standort verlangt die Stadt für die zwei Stunden Mittagspause zwischen einem Euro und 4.20 Euro. Beizer, Detailhändler, Verbände und die Autofahrer regen sich gleichermassen über die Neuerung auf. Wer sich nicht dran hält, muss mit einer Busse von 17 Euro rechnen.

In Basel ist mit der neuen Parkraumbewirtschaftung freies Parkieren in der gesamten Innenstadt bereits abgeschafft. An den meisten zentralen Parkuhren ist tagsüber eine maximale Parkierzeit von 90 Minuten erlaubt, an einigen sogar nur eine halbe Stunde. Eine Bezahlpause für die Mittagszeit gibt es nicht, ja sogar nachts, wenn es keine Zeitbeschränkung gibt, muss bezahlt werden. Auch der gebührenfreie Sonntag wurde beseitigt. Normalerweise kostet eine Stunde Parkieren in der Innenstadtzone drei Franken.

Gegenüber Basel ist Strassburg da zahm. Eine freie Mittagszeit für das Parkieren kennt Basel nur mit der Parkscheibe in der blauen Zone – also ausserhalb der Innerstadt. Wer sein Auto zwischen 11.30 Uhr und 13.29 Uhr parkiert, darf es bis 14.30 Uhr stehen lassen. Im günstigsten Fall, einer Ankunft um 11.31 Uhr, wird die Parkscheibe auf 12 Uhr gestellt und es ergibt sich eine komfortable Parkzeit von fast drei Stunden – das reicht vielleicht sogar für einen Spaziergang in die Innerstadt und Einkehr in eine Beiz. Allerdings sind die blauen Parkplätze zunehmend rar.

In Lörrach gibt es das Prinzip der Gebührenbefreiung fürs Parkieren über die Mittagszeit gar nicht – allerdings ist das Parkieren schon zehn Minuten Fussweg von der Innenstadt entfernt sehr billig und kostet in der günstigsten Zone nur 25 Cent je angefangene Stunde. In Weil am Rhein muss für die meisten überirdischen Parkplätze eine Parkscheibe eingestellt werden – Gebühren kostet das nicht, aber eine Verlängerung der Parkzeit über Mittag gibt es nicht. Genauso sieht das in Freiburg aus, wo die Autofahrer in den Parkhäusern nicht viel weniger bezahlen als in Basel – abgesehen davon sind die Parkhäuser am Samstag überfüllt. Mein Tipp für Wochenendausflüge nach Strassburg oder Freiburg ist banal: Obwohl ich ein Auto besitze, fahre ich seit Jahren mit dem Zug dorthin. Das ist schnell, staufrei und bequem.

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