E-Mail-Affäre
Unglaubwürdig auf der ganzen Linie

Jonas Hoskyn
Jonas Hoskyn
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E-Mail-Affäre spaltet die SVP: Joël Thüring, Eduard Rutschmann, Lorenz Nägelin, Sebastian Frehner (vlnr.)

E-Mail-Affäre spaltet die SVP: Joël Thüring, Eduard Rutschmann, Lorenz Nägelin, Sebastian Frehner (vlnr.)

bz

Säuhäfeli-Säudeckeli nennt man den Deal, mit dem die Basler SVP gestern die E-Mail-Affäre zu beenden versuchte, im besten Herrliberg-Jargon. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die Partei, die keine Gelegenheit auslässt, gegen Kuscheljustiz zu wettern und auf konsequentes Durchgreifen, Gesetz und Ordnung zu pochen, klemmt eine Strafuntersuchung gegen einen aus ihren eigenen Reihen ab. Und dies bereits zum zweiten Mal: Schon als Thüring vor zwölf Jahren in die Parteikasse griff, regelte man die Angelegenheit unter sich, statt Anzeige zu erstatten.

Auf den ersten Blick ist die Lösung nachvollziehbar. Die Ermittlungen hätten die Basler SVP über Monate, wenn nicht Jahre belastet. Grabenkämpfe wären unvermeidlich gewesen, angesichts der internen Eskalation der letzten Tage wäre sogar eine Spaltung der Partei eine Möglichkeit gewesen. Dazu kommt: Nächstes Jahr stehen die nationalen Wahlen an. Die Vorstellung, dass mitten im Wahlkampf plötzlich die Kandidaten vor Gericht miteinander streiten, ist ein politischer Albtraum.

Ob die jetzige Variante, über alles den Mantel des Schweigens auszubreiten, allerdings wirklich schlau ist, bleibt abzuwarten. Die Frage, ob Thüring – wie es die Indizien nahelegen – tatsächlich heimlich die Mails von Frehner gelesen hat und ob allenfalls noch weitere Personen davon wussten, wird die Partei belasten. Definitiv geklärt wird sie nun wohl nie. Und diejenigen, welche hinter dem Ganzen eine Intrige vermuteten, werden sich nach dem plötzlichen Rückzug der Anzeige bestätigt fühlen.

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