Stadtbummel Solothurn
Es grünt so grün

Endlich: der Winter ist vorbei und die Pflanzen wachsen wieder. Beim Spaziergang durch den Museumspark gleicht deser nicht mehr einem Gräberfeld.

Mark A. Herzig
Mark A. Herzig
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Der Museumspark beim Kunstmuseum Solothurn grünt wieder. (Archivbild)

Der Museumspark beim Kunstmuseum Solothurn grünt wieder. (Archivbild)

Oliver Menge

Das Grün hat uns wieder. Das Auge ruht, und männiglich freut sich, dass eine Vielzahl von Pflanzen wieder beginnt, Sauerstoff zu produzieren. Und es ist kein Einheitsbrei. Fremdlinge hat es darunter, Einheimische und auch vermehrt wieder ältere davon. Das hilft, die Vielfalt mit ihren optischen und auch wirtschaftlichen Vorzügen zu wahren. Dass dies so bleibt oder möglichst noch vielfältiger wird, dazu trägt die Solodaris-Gärtnerei beim Rosegghof bei, indem sie mit Pro Specie Rara zusammenarbeitet.

Eine gewisse Verwandtschaft zu raren Spezies ist man im Museumspark zu erahnen versucht. Dort beginnen Kunstbeflissene demnächst wieder mit dem Anpflanzen von allerhand Gemüse und dergleichen. Das ist für den Stadtbummler als Gartenlaien eine Kunst, weshalb dort wohl der Kunstevent am Werk ist.

Während des zurückliegenden Winters hat der Park schon eher einem Gräberfeld geglichen und hat sich damit einem früheren Spottnamen angepasst: Ambassadorenfriedhof. So wurde der Park vor dem heutigen Kunstmuseum (früher Kunst und Wissenschaft gewidmet und noch heute so angeschrieben) nach der Umgestaltung vom «Biedermeierpark» in etwa das jetzige Aussehen, auch schon genannt. Die kurze Mauer entlang der Unteren Steingrubenstrasse stiess damals auf wenig Verständnis und kam so zum Titel Klagemauer. Dabei war sie doch modern und ist es heute wieder vermehrt. Mit Mauern Akzente setzen ist in. Es heisst in der Garten und Landschaftsgestaltung Grenzen zeigen und damit Räume schaffen, Sicht und Windschutz bieten. Neben diesen eher «praktischen» Aufgaben werden sie als ausdrucksstarke Gestaltungselemente eingesetzt. Voilà! Da waren wir Solothurner wieder einmal unserer jetzigen Zeit voraus.

Der Pflanzblätz vor dem Museum ist also, wenn auch gekämpft wird um die Arterhaltung, nicht als neue Anbauschlacht zu verstehen, die bei älteren Lesenden noch immer Erinnerungen zu wecken vermag. Dies nicht nur, weil heroisch versucht wurde, die Anbaufläche zu verdoppeln, sondern auch daran, dass ein gestrenger Museumspedell darauf achtete, dass wir Kinder nicht die Wege verlassen haben und in die gepflegte Anlage getreten sind, obwohl dort damals kein Gemüse wuchs. Ob jetzt jemand anderes eine ähnlich gelagerte Aufgabe übernehmen muss? Es wäre denn doch schade, wenn Max Bottinis Kunstwerk-Projekt «Erntema(h)l» beschädigt würde. Er thematisiert damit kritisch die Nahrungsmittelproduktion, womit sich der Kreis zur Anbauschlacht schon fast wieder schliesst.