Kommentar
Virtuelle Welt – bittere Realität

Von seinem Zuhause aus dirigierte ein Solothurner Banker in Internet-Live-Sex-Shows, wie auf den Philippinen Kinder geschändet werden sollen.

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Das Solothurner Obergericht beschäftigte sich mit einem Fall eines Mannes, der online für die Schändung eines Kindes zahlte und dabei zusah.

Das Solothurner Obergericht beschäftigte sich mit einem Fall eines Mannes, der online für die Schändung eines Kindes zahlte und dabei zusah.

TeleM1

Das Internet lässt die Hemmungen fallen. Bürger, die im realen Leben niemanden einfach so von Angesicht zu Angesicht beschimpfen würden, schreiben hasserfüllte Botschaften, beleidigen, drohen. Man hat kein direktes Gegenüber, dem man sich stellen muss. Da kann man drauflos hauen. Es ist ja alles nur im Netz. Meist bleibt es, ohne irgendwelche Konsequenzen, da.

Natürlich lassen die grenzenlosen Möglichkeiten der virtuellen Welt alle möglichen (illegalen) Sex-Angebote nicht aus. Man kann in Solothurn vor dem Computer sitzen und zahlen, damit auf den Philippinen Kinder vor der Kamera geschändet werden. Alles live, alles unmittelbar. Und alles erst noch für ein Taschengeld. Das Opfer ist weit weg, das Mitgefühl flacher als der neuste Bildschirm. Es ist ja alles nur im Netz. Aber es bleibt nicht immer da.

Das Solothurner Obergericht hat einen Mann, der solches tat, jetzt aus seiner Parallelwelt auf den Boden der Realität zurückgeholt. Für ihn ist das Internet kein virtueller Raum mehr, das Gefängnis wird bittere Realität. Er wird bestraft wie der Kinderschänder, der in der Schweiz selbst Hand an ein minderjähriges schutzloses Wesen anlegt. Spätestens vor Gericht ist der virtuelle Tollraum also Realität. Man kann am Computer vieles löschen, aber die Taten, die anderen schaden, nicht. Ein beruhigendes Gefühl. Der Rechtsstaat greift überall.

lucien.fluri@azmedien.ch