Café Fédéral
Sonderermittler in der «Schweizerhof»-Affäre: Auswärtsspiel zu Hause in Sarnen

Ausgerechnet Obwalden: Stefan Keller, ausserordentlicher Bundesanwalt, ermittelt auf vermintem Terrain gegen Fifa-Boss Gianni Infantino und Co.

Henry Habegger
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Seit einigen Monaten waltet Stefan Keller, Obwaldner Obergerichtspräsident, seines Nebenamtes als ausserordentlicher Bundesanwalt. Im Rathaus zu Sarnen führt er Befragungen durch: Letzte Woche war Michel Platini als Auskunftsperson an der Reihe. Keller soll herausfinden, was Ex-Bundesanwalt Michael Lauber mit Fifa-Boss Gianni Infantino und zwei Adlaten bei Geheimtreffen im Berner «Schweizerhof» kungelte, der den Emiren von Katar gehört.

Keller spielt zu Hause ein Auswärtsspiel. Obwalden ist legendäres Terrain von Steuervermeidern im Sportgeschäft. Franz Beckenbauer etwa war hier schon in den Siebzigerjahren steuerlich wohnhaft und «sparte» dank Sondertarife für ausländische Steuerflüchtlinge und des nachmaligen FDP-Ständerats Hans Hess viel Geld. Im letztes Jahr in Bellinzona kläglich verjährten Verfahren um die Fussball-WM 2006, auch bekannt als «Sommermärchen», spielte Sarnen erneut eine Rolle: Sechs Millionen flossen über eine lokale Anwaltskanzlei zu einem korrupten Fifa-Funktionär nach… Katar. Wieder war Kaiser Franz involviert, der dem Dorf einst eine Tennishalle spendierte.

Nach dem Termin im Rathaus beim Sonderermittler: Der ehemalige Spitzenfussballer Michel Platini (rechts) mit Anwälten in Sarnen OW.

Nach dem Termin im Rathaus beim Sonderermittler: Der ehemalige Spitzenfussballer Michel Platini (rechts) mit Anwälten in Sarnen OW.

Bild: Henry Habegger (Sarnen, 17. März 2021)

Der tapfere Keller agiert in Sarnen, agiert in Katar (das 2022, laut US-Staatsanwälten dank Stimmenkaufs, die Fussball-WM austragen darf) auf vermintem Terrain, es geht um Millionen, Infantino und seine Anwälte jagen ihn mit Rekursen und Medienberatern, bezahlt von der internationalen Fussballgemeinschaft.

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