Die Freitags-Kolumne
Der Tod und der Jungsozialist

Ist der Todestag der einer ungeliebten Person auch sein «bester Tag», wie SP-Schweiz-Vizepräsident David Roth zu Margaret Thatcher schrieb?

Max Dohner
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Was von uns macht noch was her im Untergang?

Was von uns macht noch was her im Untergang?

Alex Spichale

Der Vizepräsident der SP Schweiz, David Roth, schrieb nach Margaret Thatchers Tod diese Woche auf Facebook: «Ich glaube, es ist nicht zynisch, heute ein Bier auf Maggies besten Tag zu trinken.»

Der Satz war mit Sicherheit nicht Roths bester Tag. Zynismus einmal beiseite – so fragt sich doch, wie lange ein ausgewachsener, 27-jähriger Mann noch die Narrenkappe des «Jungpolitikers» tragen will? Oder die Spielzeug-Finken des Kinderparlamentariers, der Roth einmal war. Flachsinn hasta la muerte – und im Spiegel ewig ein frischer Hecht? An einem Zerrbild ist dann und wann der Spiegel nicht schuld.

«Trauer ist nicht am Platz.» Das schrieb ich selber an dieser Stelle vor einem Jahr über den Tod eines Politikers. In Managua, Nicaragua, war der frühere Innenminister der Sandinisten gestorben, Tomás Borge. Ein Mann, der kaltblütig seine Macht auch zum Terror gegen politische Feinde missbrauchte.

In Grossbritannien stiegen Partys, als Thatchers Tod bekannt wurde. Ein Freudengesang klettert nach oben auf der Hitparade. Der Tod von Politikern kann eine Befreiung sein. Frohlocken begleitet seit je das Verbleichen von Machtirrsinn, wo er andere im eisernen Griff gehalten hat (was bei Margaret Thatcher sprichwörtlich geworden ist). Wenn der Griff des Knochenmannes dann das mürbe Eisen löst – warum sollte uns das plötzlich erschüttern?

Keine Macht beherrscht die Ohnmacht. Ohnmächtig sanken Margaret Thatcher und ihr politischer Freund Ronald Reagan in die Schattenwelt. Demenz schälte aus ihnen jedes Bewusstsein irgendeiner Bedeutung. «Historische Figuren» – à la bonne heure: Wo blieben sie als Mensch? Lebendigen Leibes lösten sie sich auf. Niemand weiss, ob das «Geschichte» ist.

Vielleicht ist der Tod ein totaler Demokrat, aber damit noch kein Jungsozialist. Wer den Tod eines Menschen als dessen «besten Tag» bezeichnet, erhebt sich über das Drama aller.

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